Eine Krankheit, die durch Zecken übertragen werden kann, ist die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Dr. med. Renate Ehmann, Hausärztin im Praxiszentrum am Bahnhof, Schaffhausen,  erklärt uns, was es damit auf sich hat und wie man vorsorgen kann.

Zecken können zahlreiche Krankheiten übertragen: Borreliose, Ehrlichiose, Rickettsiose, Tularämie und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME, wobei das E für Enzephalitis, also Gehirnentzündung steht), um einige zu nennen. Während die erstgenannten bakteriell ausgelöste Krankheiten sind, wird die FSME durch Viren übertragen. Das bedeutet auch, dass gegen FSME keine Antibiotika helfen und man nur unterstützend behandeln kann. Umso wichtiger ist die Prävention, für die es eine wirksame Impfung gibt.

Wie wird FSME übertragen?

Die Übertragung der FSME erfolgt durch den Stich einer befallenen Zecke (Holzbock), welche sich vor allem im Unterholz von Laubwäldern aufhält und in der Schweiz in fast allen Kantonen des Mittellandes vorkommt. Zecken finden ihre Lebensräume bis auf eine Höhe von 2000 m. Ca. 1% aller Zecken trägt das FSME-Virus in sich.

Wie äussert sich eine FSME-Infektion?

Die meisten, die von einer infizierten Zecke gestochen werden, überstehen die Infektion ohne Symptome. Bei bis zu 15 % treten jedoch nach den ersten recht unspezifischen grippeähnlichen Symptomen (7-14 Tage nach einem Stich) neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Lichtscheu, Schwindel sowie Konzentrationsstörungen hinzu  – die Zeichen einer Gehirnentzündung. Die Beschwerden können Monate andauern; bei 1 % der Betroffenen endet die Infektion tödlich, bei einem Teil bleiben Behinderungen zurück wie z.B. Lähmungen von Armen und Beinen.

Wie behandelt man eine FSME-Infektion?

Da die Krankheit nicht durch Bakterien, sondern durch Viren übertragen wird, helfen im Falle einer Erkrankung mit FSME keine Antibiotika. Man kann nur Massnahmen zur Unterstützung der Genesung treffen. Entsprechend wichtig ist die Prävention.

Wie sieht die Prävention aus?

Es gibt eine sichere und wirksame Impfung. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt diese für Menschen ab 6 Jahren, die in einem FSME-Endemiegebiet leben (erlaubt ab einem Alter von 3 Jahren). Diese Altersempfehlung ergibt sich daraus, dass bei Kindern unter 6 Jahren kaum neurologische Symptome auftreten.

Für einen sicheren Langzeitschutz braucht es eine Grundimmunisierung bestehend aus 3 Impfungen, bevorzugt in den Oberarmmuskel. Nach der ersten Impfung sollte die zweite Impfung 1-3 und die dritte 5-12 Monate nach der ersten Impfung verabreicht werden. Sinnvoll ist es, die Impfserie in den Herbst- bzw. Wintermonaten zu starten, damit man bis zur Zeckensaison gut geschützt ist. Das BAG empfiehlt nur noch alle 10 Jahre eine Auffrischimpfung.

Hat die FSME-Impfung Nebenwirkungen?

Angesichts der Bandbreite möglicher Komplikationen bei einem Infekt erscheint das Impfrisiko vernachlässigbar klein. Neben den bekannten sehr häufigen Nebenwirkungen wie Rötung, Schwellung, Schmerzen an der Einstichstelle sowie leichtes Fieber sind bei der FSME-Impfung auch häufige Nebenwirkungen erwähnenswert wie Kopfschmerzen, allgemeine Müdigkeit, Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen.

Welche Massnahmen empfehlen sich zusätzlich zur Impfung?

Auf dem Markt gibt es zahlreiche zuverlässige Zeckenschutzmittel unterschiedlicher Anbieter zum Aufsprühen (z.B. mit dem Wirkstoff Permethrin). Langärmelige Kleidung wird empfohlen. Nach einem Aufenthalt im Freien in der Zeckensaison sollte man sich genau untersuchen und allfällige Zecken entfernen (ganz nah über der Haut packen mit kräftigem Zug) und danach die Stichstelle gut desinfizieren. Leider schützt ein frühzeitiges Entfernen der Zecke nicht vor einer Infektion, da das FSME-Virus in den Speicheldrüsen der Zecke sitzt und somit sehr früh in unseren Körper gelangt. Hingegen kann das frühzeitige Entfernen vor einer Borreliose schützen, da die auslösenden Bakterien im Darm der Zecke sitzen und einige Zeit brauchen, bis sie uns infizieren können. Falls in den Tagen bis Wochen danach Symptome wie Fieber, Kopf-, Glieder- oder Gelenkschmerzen auftreten, sollte man den Arzt konsultieren.