Der Frühling hat sich schon mit den ersten sonnenreichen Tagen angekündigt und bedeutet für viele Menschen das lang ersehnte Ende des Winters. Für jede dritte Person in der Schweiz beginnt mit den steigenden Temperaturen jedoch die Zeit des Allergie-Leidens. Für diese Menschen symbolisieren sonnige Tage den Beginn der Heuschnupfen-Saison mit lästigen Symptomen.

Typische Symptome von Heuschnupfen sind Niesattacken, Fliessschnupfen, verstopfte Nase, beeinträchtigte Nasenatmung durch Anschwellung der Nasenschleimhaut, juckende und tränende Augen, Juckreiz in Nase, Ohren und Gaumen und Hustenreiz. Manchmal kommen auch Beschwerden wie Kopfdruck und Druck über den Nasennebenhöhlen hinzu.

Die Symptome können einen sogenannten «Etagenwechsel» vornehmen. Dabei verlagern sich die Symptome, die im Kopfbereich (obere Etage) auftreten, auf die Bronchien (untere Etage) und können zu Asthma führen. Die Symptome im Kopfbereich lassen dann häufig nach.

Die ersten Heuschnupfensymptome treten überwiegend im Schulalter auf, nicht selten in Kombination mit einem allergischen Asthma. Säuglinge und Kleinkinder mit Neurodermitis neigen eher dazu, später Heuschnupfen zu entwickeln. Mit zunehmendem Alter lassen in der Regel die Symptome nach. Seltener tritt Heuschnupfen erst im Erwachsenenalter auf.

Ursachen von Heuschnupfen

Sehr häufig besteht eine genetische Veranlagung durch einen oder beide Elternteile. Leiden die Mutter und der Vater unter Heuschnupfen, steigt das Heuschnupfen-Risiko bei den Kindern auf über 60 Prozent. Grundsätzlich kann Heuschnupfen aber jeden treffen.

Pollen sind Allergene und bestehen aus Eiweiss-Molekülen, die bei Allergikern durch den Kontakt mit den Schleimhäuten der Nase, der Augen, des Mundes oder der Bronchien eine allergische Reaktion hervorrufen. Dabei wird aus den Mastzellen, einer Zellgruppe des Immunsystems, Histamin freigesetzt, welches die klassischen Symptome (Schnupfen, Niesen, Juckreiz) verursacht.

Allergien häufiger in der westlichen Welt

Heuschnupfen tritt vorwiegend in der westlichen Welt auf. In Asien und Afrika sind Allergien nahezu unbekannt. Forscher schreiben dem hohen Hygienestandard der Industriestaaten eine wesentliche Bedeutung zu: Je keimfreier die Umgebung ist, in der die Menschen aufwachsen, desto grösser ist die Möglichkeit, später an einer Allergie zu erkranken. Das Immunsystem ist dann durch eine übertriebene Hygiene unterfordert und neigt dazu, bei geringen Auslösern wie Pollen, überzureagieren. Hingegen ist das Immunsystem der Menschen auf anderen Kontinenten (Asien, Afrika), oder bei auf dem Land lebenden Menschen, durch die teils mangelnde Hygiene ständig gefordert, gegen üblere Krankheitserreger und Keime zu kämpfen. Pollen können diesen Menschen folglich kaum mehr etwas anhaben.

Sicherlich spielen die vielen verschiedenen chemischen Zusätze in der Nahrungsmittelproduktion und die Pestizide der Landwirtschaft eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Wann fliegen welche Pollen?

  • Bäume von Januar bis April/Mai: Hasel, Erle, Esche, Birke, Hagebutte, Eiche, Pappel, Platane
  • Gräser/Getreide von April bis September: Roggen, Wiesenlieschgras, Knäuelgras, Englisches Raygras
  • Kräuter von Juli bis September: Beifuss und Ambrosia (Traubenkraut).

Leichte Schwankungen sind je nach Wetter möglich (Regentage bringen Erleichterung, weil dann keine Pollen fliegen; sonniges windiges Wetter verstärkt die Symptomatik).

Kreuzallergien:

Bei Allergien auf Pollen können Kreuzallergien auftreten, das heisst, dass der Allergiker auch auf bestimmte Nahrungsmittel reagieren kann. Die Molekülstrukturen ähneln sich, sodass das Immunsystem keine Unterschiede registriert. Eine häufig auftretende Kreuzreaktion ist die Birkenpollen-Nuss-Kernobst- oder die Beifuss-Sellerie-Gewürz-Reaktion. Wer also beispielsweise allergisch auf Birkenpollen ist, kann auch beim Verzehr von Kernobst allergisch reagieren.

Liegt eine Kreuzreaktion vor, tritt nach Verzehr des Lebensmittels ein Kribbeln im Gaumen oder ein Brennen und Jucken an den Lippen oder im Mundbereich auf, bis hin zu Schwellungen des Gesichts und der Halsregion. Eine Schwellung im Halsbereich kann lebensbedrohlich werden, wenn dadurch die Atmung beeinträchtigt wird. Es findet allgemein keine Gewöhnung an die Lebensmittel statt, daher sollten sie in roher Form strikt gemieden werden. Durch Erhitzen, also Kochen oder Backen, wird die allergieauslösende Molekülstruktur zerstört. Dieser Vorgang macht das Lebensmittel ungefährlich.

Diagnose:

Wichtig ist eine umfassende Anamnese (Befragung) durch den Arzt. Allergien bei den Eltern oder Geschwistern erleichtern die Diagnosestellung. Die Durchführung eines Hauttestes (Pricktest) mit den typischen Pollenallergenen gibt weiteren Aufschluss. Gegebenenfalls erfolgt ein Bluttest zur Bestimmung der Antikörper.

Ist eine Desensibilisierung geplant (vgl. Folgeabsatz zur Behandlung), ist eine genaue Bestimmung der allergieauslösenden Pollen nötig, da anschliessend genau mit diesem Allergen die Spritzenkur / Desensibilisierung durchgeführt wird. Wird keine Desensibilisierung angestrebt, sondern eine allgemeine Therapie, spielt die Pollenbestimmung eine untergeordnete Rolle. Das Auftreten der ersten Heuschnupfen-Symptome im Verlauf eines Jahres bietet grobe Hinweise auf die Art der Allergene.

Behandlung von Heuschnupfen

Symptomatische Therapie durch Antiallergika (Antihistaminika):

Es gibt zahlreiche Pharmafirmen, die Heuschnupfen-Medikamente anbieten. Es ist durchaus sinnvoll, verschiedene Produkthersteller zu testen. Jeder Allergiker reagiert unterschiedlich auf die Medikamente und sollte sich für das Produkt entscheiden, mit dem er am besten zurechtkommt. Antihistaminika lindern die typischen Symptome wie Niesen, Fliessschnupfen oder Augenjucken.

Antihistaminika gibt es als lokale Anwendung (Nasenspray; Augentropfen) und als systemische Anwendung (Tabletten). Sie werden im Bedarfsfall eingesetzt, das heisst nur, wenn die Wetterverhältnisse Heuschnupfen-Symptome provozieren.

Prä-saisonal beginnende Therapie:

Eine Therapieform, die bereits vor der Heuschnupfensaison beginnt, ist die Verabreichung von Cortison-Präparaten, in Form von Nasenspray, Asthmaspray oder Spritzen.

Cortisonhaltige Nasen- oder Asthmasprays eignen sich nicht für den Bedarfsfall, sondern nur zur längerfristigen Therapie (Wochen bis Monate). Die Therapie mit einem cortisonhaltigen Nasenspray soll ca. vier Wochen vor dem Start der Allergiesaison begonnen und täglich durchgeführt werden. Der Cortisonspray schützt die Nasenschleimhaut vor den Pollen, indem er sie unempfindlich gegen das Allergen macht. Dazu benötigt die Nasenschleimhaut Zeit, denn es handelt sich um einen anderen Wirkmechanismus als bei der Sofortwirkung eines Antihistaminikums. Richtig angewendet ist die lokal angewendete Cortisontherapie ausgesprochen wirkungsvoll, doch sie bedarf des frühzeitigen Beginns und der Disziplin.

Viele Menschen haben mangels Aufklärung ein negatives Bild vom Cortison. Cortisonsprays (Nasen- und Asthmasprays) wirken nur auf der Schleimhautoberfläche und dringen nicht in das Körperinnere ein, wie beispielsweise Tabletten oder Spritzen. Aufgrund der niedrigen Cortisonmenge, die bei einer lokalen Anwendung benötigt wird, treten keine typischen Nebenwirkungen (Gewichtszunahme, Mondgesicht, Stiernacken etc.) auf und sie ist deshalb als Langzeittherapie gut geeignet. Die antiallergische Wirkung der Cortison-Präparate ist höher als die der Antiallergika und deshalb auch wirkungsvoller. Die Müdigkeit, die häufig durch Antihistamintabletten auftritt, fällt bei der lokalen Cortisontherapie weg.

Aus Bequemlichkeit finden immer wieder Cortionspritzen Anwendung, die bei Saisonbeginn vom Arzt verabreicht werden und eine Wirkdauer von ca. einem Monat haben. Die Patienten sind in dieser Zeit symptomfrei, haben aber ein Tausendfaches an Cortisonmenge im Verhältnis zur lokalen Therapie aufgenommen. Das Risiko für Nebenwirkungen ist bei Cortisonspritzen höher als bei der lokalen Anwendung von Cortison. Für die Allergiker überwiegt auf den ersten Blick der Nutzen aufgrund der schnellen Wirkung. Daher entscheiden sich immer wieder Betroffene für diese bequeme Variante.

Leukotrien-Antagonisten / Mastzellstabilisatoren:

Leukotrien-Antagonisten und Mastzellstabilisatoren gehören zur Medikamentenklasse der Anti-Asthmatika. Sie dienen zur Anfallsprophylaxe bei chronischem Asthma und zur Therapie des Heuschnupfens und werden überwiegend bei Kindern angewendet. Es gibt sie in Tablettenform und als Granulat. Diese Medikamentenklasse ist weniger wirksam als die oben beschriebenen.

Desensibilisierung:

Desensibilisierung bedeutet, dass der Körper schrittweise an das Allergen (Pollen) gewöhnt werden soll, sodass die Überreaktion gemindert oder verhindert wird. Über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren wird anfänglich im wöchentlichen Abstand, danach alle vier bis sechs Wochen die allergieauslösende Pollenart unter die Haut gespritzt. Die Dosis des Allergens wird allmählich gesteigert. So gewöhnt sich das Immunsystem langsam an die Pollen und reagiert immer unempfindlicher. Diese Behandlung wird von einem Arzt durchgeführt und der Patient muss 30 Minuten in der Praxis nachbeobachtet werden, weil es zu bedrohlichen, systemischen, allergischen Reaktionen kommen kann.

Die Therapie ist sehr erfolgreich. Bei der Mehrheit der Heuschnupfen-Patienten verschwinden entweder die Symptome oder sie werden abgeschwächt. Es gibt aber auch Menschen, die keinen Nutzen erfahren.

Alternativ kann das Allergen auch über Tropfen oder Schmelztabletten angewendet werden. Diese Therapie kann, nach Beratung eines Arztes, zuhause durchgeführt werden. Das Allergen in Form von Tropfen oder Schmelztabletten muss täglich in der saisonfreien Zeit (mindestens sechs Monate lang) ebenfalls über drei Jahre hinweg eingenommen werden. Im Gegensatz zu der Spritzen-Behandlung droht hier keine systemische allergische Reaktion, sodass die Anwesenheit eines Arztes nicht erforderlich ist.

Für die Desensibilisierungstherapie ist die exakte Bestimmung des Allergens unumgänglich (vgl. oben zur Diagnose). Es können bis zu drei Allergene kombiniert werden. Grössere Kombinationen machen keinen Sinn, da die Effektivität der Therapie darunter leidet. Hautärzte oder Lungenfachärzte sind für Allergien die besten Ansprechpartner, da sie eine spezielle Ausbildung diesbezüglich durchlaufen haben.

Naturheilkundliche Therapie:

Durch Akupunktur, in Kombination mit Dauernadeln im Ohr, werden ebenfalls Linderungen der Heuschnupfen-Symptome erzielt. Es bedarf hierzu mehrere Sitzungen. Es ist empfehlenswert, diese Therapie schon ca. vier Wochen vor dem Saisonbeginn zu starten und saisonbegleitend durchzuführen.

 

Tipps bei Heuschnupfen

  • Lüften Sie Ihr Zuhause am Besten in den frühen Morgenstunden zwischen 6 und 8 Uhr, wenn Sie in der Stadt wohnen, und zwischen 19 und 24 Uhr, wenn Sie auf dem Land wohnen. So vermeiden Sie zu viele Pollen in Ihrer Wohnung.
  • Informieren Sie sich über das aktuelle Allergie-Wetter und über den Pollenflug bei «aha Allergiezentrum Schweiz».
  • Waschen Sie sich abends die Haare und duschen Sie, damit die Pollen nicht auf Ihrem Kopfkissen landen und nicht in Kontakt mit Ihren Augen und der Nase kommen.
  • Ziehen Sie Ihre Kleidung ausserhalb des Schlafzimmers aus, damit sich die Pollen nicht auf dem Kopfkissen verteilen.
  • Wischen Sie regelmässig Staub oder saugen Sie regelmässig Staub mit einem Staubsauger, der einen Schwebstoff-Filter enthält.
  • Trocknen Sie die Wäsche nicht im Freien.
  • Zur Senkung der Pollenkonzentration zuhause oder im Büro gibt es Luftreiniger mit Filtersystemen für Allergiker.
  • Planen Sie Ihren Urlaub für die Zeit der Hochsaison des Pollenfluges; verbringen Sie Ihre Ferien vorzugsweise am Meer oder in den Bergen (> 2000 m).
  • Treiben Sie in der Pollenzeit Sport in Fitnesscentern mit Klimaanlage.
  • Halten Sie beim Autofahren die Fenster geschlossen.
  • Decken Sie sich frühzeitig mit Ihren Medikamenten (Antihistaminika) ein.

 

Autorin: Dr. med. Marlene Jelonek, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, CheckupZentrum Hirslanden Zürich

Quelle: aha Allergiezentrum Schweiz.

Unter www.aha.ch finden Sie aktuelle Pollenflug-Vorhersagen und Pollenflugkalender.