Pro Jahr erkranken laut Bundesamt für Statistik in der Schweiz rund 21’500 Männer an Krebs, das entspricht durchschnittlich mehr als 55 Männern pro Tag. Wenn Krebs früh erkannt und behandelt wird, stehen die Heilungschancen oftmals sehr gut. Im Blogartikel finden Sie einen Überblick über die gängigen Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Krebs bei Männern.

Krebserkrankungen sind die zweithäufigsten Neuerkrankungen, dies nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für die Zeit von 2010-2014 ermittelte die Krebsliga Schweiz folgende Zahlen:

  • 6‘100 Prostatakrebsneuerkrankungen pro Jahr
  • 2‘400 Dickdarmkrebsneuerkrankungen pro Jahr
  • 2‘600 Lungenkrebsneuerkrankungen pro Jahr
  • 1‘400 Melanome (schwarzer Hautkrebs) pro Jahr
  • 440 Hodenkrebsneuerkrankungen pro Jahr

Infografik Krebsarten bei MännernProstatakrebs

Der Prostatakrebs ist der häufigste Krebs bei Männern. Über 80% der Männer sind bei der Diagnosestellung über 60 Jahre alt. Unter 40 Jahren kommt Prostatakrebs selten vor. Die genetische Veranlagung kann bei Prostatakrebs eine Rolle spielen. Ein Mann, dessen Vater oder Bruder an Prostatakrebs erkrankt ist, hat ein deutlich höheres Risiko, ebenfalls an Prostatakrebs zu erkranken als ein Mann ohne familiäre Vorbelastung. Das Risiko eines Mannes im Laufe seines Lebens an Prostatakrebs zu erkranken liegt bei rund 13%.

Experten haben unterschiedliche Meinungen zu Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Prostatakrebs. Es gibt Befürworter, die ein frühes Erkennen des Prostatakrebses mit einer besseren Heilungschance assoziieren, aber es gibt auch Gegner der Früherkennung, die meinen, dass es zu einer Überdiagnostik und unnötigen Eingriffen kommen kann und dass nicht jeder, der an Prostatakrebs erkrankt, daran sterben muss. Letztendlich muss jeder Mann für sich selber entscheiden, ob er Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung durchführen möchte. Bei Unsicherheiten sollte mit einem Urologen Rücksprache genommen werden.

In der Schweiz gibt es keine gesetzlichen Früherkennungsprogramme, jedoch empfehlen wir vom CheckupZentrum Zürich Männern ab 45 Jahren regelmässige Vorsorgeuntersuchungen. Dazu gehört einerseits eine digitale-rektale Abtastung der Prostata (Vorsteherdrüse), d.h. eine Abtastung mit dem Finger über den After. Mit dieser Methode kann die Grösse der Prostata und die Oberflächenbeschaffenheit ertastet werden. Eine harte Oberfläche und eine Knotenbildung können ein Hinweis auf Prostatakrebs sein und würden weitere diagnostische Massnahmen erforderlich machen. Die digital-rektale Abtastung reicht zur Krebsfrüherkennung nicht aus, sodass zusätzlich die Bestimmung des PSA-Wertes (Prostata-spezifisches-Antigen) aus dem Blut empfohlen wird. Urologen und Hausärzte können solche Untersuchungen durchführen.

Das PSA ist ein Protein, das nur in der Prostata gebildet wird und das bei einer Vergrösserung derselben, bei einer Entzündung oder bei Krebs vermehrt gebildet wird und somit den sogenannten PSA-Wert ansteigen lässt. Wenn bei Messungen über mehrere Jahre hinweg ein sprunghafter Anstieg des PSA-Wertes (z.B. Verdoppelung innerhalb eines Jahres) festgestellt wird, kann dieser auf Prostatakrebs hinweisen. Die Normwerte für das PSA sind altersabhängig, da sich die Prostata mit zunehmendem Alter vergrössern kann und entsprechend mehr PSA gebildet wird. Die beste Aussagekraft erhält man, wenn der PSA-Wert ab dem 45.-50. Lebensjahr in regelmässigen Abständen, z.B. alle 2 Jahre, kontrolliert wird.

Die Kombination von digitaler-rektaler Untersuchung in Kombination mit der Bestimmung des PSA-Wertes kann ab einem Alter von 45-50 Jahren als Prostatakrebsfrüherkennung gute Dienste leisten.

Dickdarmkrebs

Ungefähr 2‘400 Männer erkranken pro Jahr an Dickdarmkrebs. Das sind knapp 11% aller Krebserkrankungen. Dickdarmkrebs ist der dritthäufigste Krebs nach Prostata- und Lungenkrebs. Das Dickdarmkrebsrisiko steigt mit zunehmendem Alter. Ca. 37% der Patienten sind bei der Diagnosestellung zwischen 50-69 Jahre alt; 55% sind 70 Jahre und älter.

Da Dickdarmkrebs so häufig auftritt, gibt es eine Screening-Untersuchung in Form einer Darmspiegelung, die ab dem Alter von 50 Jahren von den Krankenkassen bezahlt wird. Bei Erkrankungen von Verwandten 1. Grades (Eltern oder Kindern) werden die Kosten von den Krankenkassen bereits vor dem 50. Lebensjahr übernommen.

Die Darmspiegelung dient als Screening für Dickdarmpolypen, da aus den harmlosen Dickdarmpolypen im Laufe der Jahre oder Jahrzehnte Darmkrebs entstehen kann. Wird ein harmloser Polyp bei der Darmspiegelung entdeckt, dann wird dieser in der gleichen Sitzung entfernt, sodass sich daraus kein Krebs mehr entwickeln kann.

Die Darmspiegelung wird von Gastroenterologen, also Fachärzten für Magen-Darm-Erkrankungen, durchgeführt. Es bedarf einer speziellen Vorbereitung, bei der der Darm mittels einer abführenden Lösung in Verbindung mit viel trinken entleert und gesäubert wird. Für die eigentliche Untersuchung bekommt der Patient eine Spritze, sodass er während der Untersuchung entspannt schlafen kann. Wenn bei der Darmspiegelung kein Polyp entfernt werden muss, ist die nächste Darmspiegelung erst nach 10 Jahren notwendig.

Darmkrebs kann lange symptomlos bleiben, daher sollte man nicht erst bei Symptomen wie Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsreduktion, Wechsel von Durchfall und Verstopfung oder bei bleistiftartigem Stuhlgang zum Arzt gehen, sondern das Angebot der Vorsorge-Darmspiegelung ab dem 50. Lebensjahr wahrnehmen.

Lungenkrebs

Im Zeitraum von 2010 bis 2014 traten ca. 4‘200 Neuerkrankungen von Lungenkrebs pro Jahr auf, von denen ca. 2‘600 Männer betroffen waren. 2‘000 Männer sind an den Folgen von Lungenkrebs gestorben. Damit fordert Lungenkrebs die meisten Todesopfer. Der grösste Risikofaktor, an Lungenkrebs zu erkranken, ist das Rauchen. In Europa werden ca. 80% aller Lungenkrebsfälle durch das Rauchen verursacht. Auch das Passiv-Rauchen birgt ein gewisses Risiko an Lungenkrebs zu erkranken, dieses ist aber weit geringer als das aktive Rauchen. Zusätzliche Risikofaktoren bilden Feinstäube, Chemikalien, Asbest, Luftverschmutzungen etc.

Lungenkrebs kann an den Luftwegen, den Bronchien und im Lungengewebe auftreten. Es werden zwei Formen unterschieden: der kleinzellige und der nichtkleinzellige Lungenkrebs. Diese histologische Unterscheidung hat eine unterschiedliche Therapie und eine unterschiedliche Prognose zur Folge.

Zur Früherkennung von Lungenkrebs kann eine low-dose-Computertomographie des Brustkorbs durchgeführt werden. Die Kosten hierfür werden nicht von den Krankenkassen übernommen. Die Untersuchung kann auch durchgeführt werden, wenn noch keine Symptome vorhanden sind und dient daher der Früherkennung.

Wenn die folgenden Symptome auftreten, sollte man einen Lungenfacharzt konsultieren, der eine weitere Diagnostik (Bronchoskopie, Biopsie, CT) durchführen wird, um zu überprüfen, ob sich hinter diesen Symptomen ein Lungenkrebs verbirgt:

  • Husten, der länger als 4 Wochen anhält
  • Blutiger Auswurf beim Husten
  • Atemnot
  • Chronischer Husten, der sich plötzlich verändert
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Erkältungskrankheiten, die trotz Behandlung nicht abheilen
  • Ungewollte Gewichtsreduktion, dauernde Müdigkeit, Appetitlosigkeit

Melanome (schwarzer Hautkrebs)

Im Zeitraum von 2010-2014 traten ca. 1‘400 neue Melanome bei Männern auf. Melanome können aus harmlosen Leberflecken entstehen und fallen häufig durch deren Veränderungen auf. Die ABCDE-Regel dient als Hilfsmittel, ob ein Leberfleck potentiell ein Melanom sein kann.

ABCDE-Regel zur Früherkennung von Melanomen, schwarzer Hautkrebs

ABCDE-Regel

Bei Verdacht auf ein Melanom erfolgt die spezifische Abklärung durch einen Dermatologen, der den verdächtigen Leberfleck chirurgisch entfernt und zur histologischen (unter dem Mikroskop) Untersuchung zum Pathologen weiterleitet. Der Pathologe stellt die Diagnose: Melanom, Basaliom (weisser Hautkrebs) oder harmloser Leberfleck.

Hodenkrebs

Jährlich erkranken in der Schweiz rund 440 Männer an Hodenkrebs, das sind ca. 2% aller Krebserkrankungen bei Männern. 82% der Männer sind zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 50 Jahre (20. – 50. Lebensjahr). Der Erkrankungsgipfel liegt bei 25-45 Jahren. In 95% der Fälle ist nur ein Hoden betroffen. Da die Erkrankungshäufigkeit im Vergleich zum Prostatakrebs relativ gesehen deutlich niedriger ist, gibt es keine gesetzlich empfohlenen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen für Hodenkrebs.

Da die Hoden den Männern gut zugänglich sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Veränderungen an ihren Hoden frühzeitig wahrnehmen, sehr gross. Stellt ein Mann eines oder mehrere der unten beschriebenen Symptome fest, sollte er einen Urologen aufsuchen, der eine entsprechende Diagnostik (Ultraschall, Biopsie, CT, Labor) vornimmt. Die Heilungschancen eines Hodenkrebses sind sehr gut.

Symptome:

  • Schwellung oder Vergrösserung eines Hodens (meist schmerzlos)
  • Verhärtung oder Knoten in einem Hoden (meist schmerzlos)
  • «Ziehen», Spannungs- oder Schweregefühl in den Hoden oder in der Leistengegend
  • Flüssigkeitsansammlung im Hodensack
  • Berührungsempfindlichkeit im Bereich der Hoden
  • Begleitsymptome: Müdigkeit, Leistungsknick, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gewichtsabnahme, Atemnot

Autorin: Dr. med. Marlene Jelonek, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,  CheckupZentrum Hirslanden Zürich

Quellen:
Bundesamt für Statistik
Krebsliga Schweiz 2010-2014
Leading Medicine Guide