Knoten in der Gebärmutter können Beschwerden auslösen. Um diese sogenannten Myome zu behandeln, bedarf es aber keines grossen Eingriffs, wie der Facharzt für Radiologie Dr. Sebastian Kos im Interview erklärt. Eine besonders schonende und effektive Methode ist die weltweit anerkannte Uterusmyom-Embolisation.

Herr Dr. Kos, was ist ein Myom?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Myome sind gutartige Knoten bzw. Tumoren der Gebärmutter.

Jede dritte Frau trägt vom gebärfähigen Alter über die Wechseljahre hinaus Myome in sich. Warum sind manche Frauen betroffen und andere nicht?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Die Veranlagung für Myome, die aus der Muskelschicht der Gebärmutterwand wachsen, ist unter anderem genetisch bedingt. Das Wachstum der Geschwulste ist zudem vom Hormonhaushalt abhängig. Lage, Grösse und Anzahl der Knoten können stark variieren. Von diesen Faktoren hängt es auch ab, ob und in welcher Form Beschwerden auftreten. Verursachen die Myome keine Probleme, ist keine Behandlung nötig. Bei rund 20 Prozent der Frauen mit Myomen treten allerdings typische Symptome auf.

Was sind die Symptome?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Insbesondere lang andauernde, starke Regelblutungen und ein dumpfer Beckenschmerz. Zudem können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, ein Fremdkörpergefühl im Bauch und ungewollte Kinderlosigkeit auftreten. Drückt das Myom auf die Blase, entsteht zunehmender Harndrang. Druck auf den Darm kann mit Verstopfung und Blähungen einhergehen.

Warum entsteht ein Myom überhaupt?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Verschiedene Faktoren, wie z. B. die Genetik und eine familiäre Häufung.

Wie wird ein Myom diagnostiziert?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Ein Ultraschall beim Frauenarzt oder eine MRI beim Facharzt für Radiologie können das Myom genau darstellen und wertvolle Informationen zu Anzahl, Grösse und Lage liefern.

Wie stellen Sie fest, ob es sich um ein Myom oder einen bösartigen Tumor handelt?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Myome sind sehr häufig. Bösartige Tumoren in der Gebärmutterwand hingegen wesentlich seltener. Die klinischen Untersuchungen mit Abstrich etc. in Kombination mit der geeigneten Bildgebung – Ultraschall und MRI – bieten hier eine hohe Sicherheit.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Patientinnen bezüglich Myomen gemacht?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Viele Frauen belasten die Symptome über Jahre hinweg, bevor sie sich an einen Gynäkologen oder interventionellen Radiologen wenden. Das ist vertane Zeit an Lebensqualität, denn Myome können einfach festgestellt und mit verschiedenen Therapieformen und eben auch minimal-invasiv (also ohne grosse Schnitte) sehr gut behandelt beziehungsweise entfernt werden.

Von welchen Faktoren hängt ab, welche Behandlung zum Einsatz kommt?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Bei einem positiven Befund werden in unserer Praxis im nächsten Schritt mittels MRI detaillierte Bilder zur exakten Diagnose erstellt. Wo befindet sich das Myom genau in der Gebärmutter? Wie gross ist es? Sind mehrere Myome vorhanden, die Beschwerden verursachen? Weitere Faktoren, die auf den Therapieentscheid Einfluss haben, sind: das Alter der Patientin, der Stand der Familienplanung und die Symptomatik.

Welche Methode empfehlen Sie und warum?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Vorübergehend können Myom-Beschwerden medikamentös behandelt werden. Eine Dauerlösung ist das nicht. Operativ können Gynäkologen entweder nur die Myome oder – als letzte Möglichkeit – die Gebärmutter entfernen. Interventionelle Radiologen bieten einfache, aber effektive minimalinvasive und organerhaltende Myom-Therapien an. Hier ist vor allem die Uterusmyom-Embolisation zu nennen. Sie ist heute sehr gut etabliert und wissenschaftlich bestens anerkannt. Diese Methode wurde nach langjähriger Erfahrung mit dem Prädikat der höchsten medizinischen Beweiskraft (Evidenz) versehen, was den Nutzen für die Patientinnen beweist.

Wie funktioniert diese Methode?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Einfach ausgedrückt wird die Blutzufuhr zu den Myomen gestoppt. Die Folge: Die Tumoren verhungern sozusagen. Es ist für den Eingriff, der unter örtlicher Betäubung stattfindet und etwa 60 bis 90 Minuten dauert, lediglich ein kleiner, drei Millimeter grosser Schnitt in der Leistengegend nötig. Der interventionelle Radiologe führt dann über einen dünnen Plastikschlauch sandkorngrosse, biologisch verträgliche Kunststoffpartikel mit dem Blutfluss in die dünnen Gefässverästelungen der Myome ein. Dadurch wird die Blutzufuhr geblockt und die Lebensader der Myome verschlossen. Sie werden quasi ausgehungert und verkümmern.

Welche positiven Erfahrungen konnten Sie mit der Embolisation machen?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Erhebungen zeigen, dass sich starke Regelblutungen sowie Schmerzen und die oben genannten Massensymptome in über 90 Prozent der Fälle stark bessern oder normalisieren. Nach einer solchen Behandlung schrumpfen die Myome in den folgenden Monaten. Die Besserung der Schmerz- und Blutungssymptome ist aber in der Regel sehr rasch spürbar.

Was sind die Risiken?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Die mit dem Eingriff verbundenen Risiken sind minimal. Es kann, wie bei jedem Kathetereingriff im Gefässsystem, ein Bluterguss in der Leistenregion entstehen – sowie eine Entzündung. Sehr selten kann sich das Myom im Verlauf entzünden. Ausserdem ist es möglich, dass nach der Embolisation die Menopause einsetzt. Je näher die Frau der Menopause ohnehin ist, desto wahrscheinlicher ist dieser Verlauf.

Ist eine Schwangerschaft dennoch möglich?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Aufgrund unzureichender Datenlage kann zum heutigen Zeitpunkt nicht sicher gesagt und vorhergesehen werden, welchen Einfluss die Embolisation auf zukünftige Schwangerschaften hat. Obwohl bei vielen Frauen Schwangerschaften nach einer Embolisation erfolgreich ausgetragen wurden, raten wir aktuell, eine Myom-Embolisation erst nach abgeschlossener Familienplanung durchzuführen.

Was passiert, wenn ein Myom während der Schwangerschaft auftaucht?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Auch während einer Schwangerschaft gilt: Solange Myome keine Beschwerden verursachen, müssen sie im Normalfall auch nicht behandelt werden. Ansonsten müsste die Situation mit dem Gynäkologen angeschaut werden.

In welchen Fällen lässt sich eine Embolisation nicht anwenden?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Mögliche Vorerkrankungen, Veränderungen des kleinen Beckens und eine Hormonbehandlung sollten im Vorfeld besprochen werden. Auch darf zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Unterleibsentzündung vorliegen. Ein Abstrich vom Gebärmutterhals sollte unauffällig sein. Bei einem ausführlichen Vorgespräch können Frauen allfällige Allergien benennen und so das Risiko einer allergischen Reaktion auf die notwendigen Kontrastmittel und Medikamente reduzieren respektive verhindern.

Ist die Embolisation von der Krankenkasse anerkannt?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Der Nutzen und Erfolg der Myom-Embolisation wurde mit dem Prädikat der höchsten medizinischen Beweiskraft versehen. Weltweit wurden zwischenzeitlich hunderttausende betroffene Frauen mittels der Embolisation erfolgreich behandelt. Daher wurde sie in der Schweiz im Jahr 2013 durch die allgemeine Krankenversicherung als wirksame Behandlungsmethode anerkannt und in den Katalog der krankenkassenpflichtigen Leistungen aufgenommen.

Von welchen Therapieformen raten Sie ab und warum?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Zahlreiche Therapien haben ihren Stellenwert. Generell kann man jedoch sagen, dass die Gebärmutterentfernung in vielen Fällen vermieden werden kann.

Wie wahrscheinlich ist es, dass sich nach einer Myom-Embolisation neue Myome bilden?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Das grundsätzliche Vorliegen und Auftreten von Myomen ist kein Problem, solange diese keine Beschwerden verursachen. In meiner Praxis musste ich bisher keine Patientin ein zweites Mal mittels Embolisation behandeln. Die Zufriedenheit ist sehr gross.

Wie schnell ist die Patientin nach der Embolisation wieder auf den Beinen?

PD Dr. med. Sebastian Kos: Es heisst, dass die ehemalige US-Aussenministerin Condoleezza Rice bereits zwei Tage nach dem Eingriff wieder zur Arbeit erschienen sei. Das ist ein extremes Beispiel und wohl auch etwas unvernünftig. Bei uns bleibt die Patientin nach dem Eingriff für zwei bis vier Tage zur schmerztherapeutischen Begleitung und Beobachtung stationär. Ich plädiere für eine anschliessende Schon- beziehungsweise Auszeit von rund ein bis zwei Wochen. Die langfristige Nachsorge erfolgt durch den Frauenarzt. Es wird empfohlen, Nachsorgeuntersuchungen zur Kontrolle zum Beispiel nach drei, sechs und zwölf Monaten durchzuführen.