Brustkrebs ist die häufigste Krebsform bei Frauen weltweit. Jährlich erkranken alleine in der Schweiz über 5500 Frauen daran. Ca. jede 8. Frau in der Schweiz ist von Brustkrebs betroffen. Die Anzahl der Neuerkrankungen nach dem 50. Lebensjahr – sprich nach den Wechseljahren – häuft sich. Aber auch junge Frauen werden davon nicht verschont. Etwa jede fünfte Patientin ist unter 50.

Die genauen Ursachen für Brustkrebs sind trotz jahrelanger Forschung noch immer unklar. «Es gibt keinen eindeutigen Grund, weshalb eine Frau an Brustkrebs erkrankt und eine andere nicht», erklärt Prof. Dr. med. Peter Dubsky, Leiter des BrustZentrums der Klinik St. Anna in Luzern. Eine Ausnahme stellen Familien mit einer genetischen Veränderung dar, welche Brustkrebs auslösen kann (z. B. die Veränderungen des BRCA-1 und -2 Gens). Diese Veränderungen sind in der allgemeinen Bevölkerung jedoch sehr selten und sind für nicht mehr als 5-10% der Brustkrebserkrankungen verantwortlich.

Risikofaktoren lassen sich indes identifizieren. Ein überaus relevanter Risikofaktor ist die familiäre Vorbelastung. Zusätzlich spielen frühere Eingriffe oder Erkrankungen an der Brust und die Dichte des Brustgewebes bei der Risikoerhebung eine wichtige Rolle. Diese Faktoren sind natürlich nicht unabhängig von typischen Einflüssen aus dem Lebensstil: Alkohol, Nikotin, Übergewicht und ein Defizit an körperlicher Bewegung begünstigen Krebs.

Brustkrebs ist vielfach gut behandelbar

Dank intensiver Forschung haben sich die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren massgeblich verbessert. Wird Brustkrebs in einem frühen Stadium erkannt, ist er heute in vielen Fällen sehr gut behandel- und sogar heilbar, wie Facharzt Peter Dubsky bestätigt. «Insbesondere wenn der Krebsherd relativ klein ist und die Lymphknoten noch nicht vom Tumor befallen sind, lässt sich die Erkrankung in sehr vielen Fällen mit einem operativen Eingriff und leichteren Therapien bekämpfen. In einem fortgeschrittenen Stadium kommt man indes vielfach nicht um eine Chemotherapie herum», so Dubsky weiter. Das Alarmierende: In verschiedenen Regionen der Schweiz ist der Anteil an Frauen, bei denen sich bereits zum Zeitpunkt der Erstdiagnose Lymphknotenableger gebildet haben, erschreckend hoch. So liegt dieser in der Innerschweiz bei 38 Prozent, während er in städtischen Zentren wie Zürich deutlich niedriger ist.

Grund für diese markante Differenz ist vor allem die Früherkennung. Die wichtigste Methode dafür ist bei Frauen ab 50 Jahren die Mammografie. In vielen Kantonen gibt es Programme, in denen Frauen dieser Altersgruppe alle zwei Jahre eingeladen werden, eine freiwillige Früherkennungs-Mammografie machen zu lassen. Auch die Krebsliga Schweiz empfiehlt die Brustkrebs-Früherkennung durch Mammografie-Screening bei Frauen ab 50 Jahren. Es gibt allerdings auch zahlreiche Gegner des routinemässigen Vorsorge-Screenings. Diese führen vor allem Strahlenbelastung, unnötige Beunruhigung bei falschen positiven Befunden sowie Überdiagnosen als Gegenargumente ins Feld.

Mammografie ist nicht gesundheitsbelastend

Die im Zusammenhang mit Mammografie viel zitierte Strahlenbelastung ist jedoch absolut falsch, wie Facharzt Peter Dubsky betont. «Es kommt nicht zu einer Strahlenbelastung, sondern lediglich zu einer Strahlenexposition. Diese ist bei Frauen ab 40 jedoch nicht gesundheitsschädigend.»

Für die anderen beiden Einwände hat Dubsky indes Verständnis: «Sobald man jemanden gründlich untersucht, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, etwas zu finden.» Dabei könne es sich jedoch auch um kleine Krebsarten handeln, die nie Probleme verursachen oder sogar von selbst irgendwann wieder abklingen würden. Da die Medizin heute noch nicht mit Sicherheit sagen kann, welche Tumore wahrscheinlich nie Beschwerden bereiten werden, folgt in der Regel eine Behandlung. «In solchen Fällen spricht man von einer Übertherapie», erklärt Dubsky. Wie bei allen anderen Untersuchungen kann es zudem auch bei Mammografien zu falschen Resultaten kommen, die wiederum weitere Untersuchungen nach sich ziehen, bis sich schliesslich herausstellt, dass es sich um eine gutartige Veränderung handelt. Dubsky findet die Frage nach der Sinnhaftigkeit von routinemässigen Screenings ab 50 für prinzipiell alle Frauen deshalb gerechtfertigt. «Viel zielführender ist meiner Meinung nach eine personalisierte Früherkennung», so der Facharzt.

Individuelles Brustkrebsrisiko ist entscheidend

Die Berechnung des individuellen Brustkrebsrisikos veranschaulicht das eigene Risiko im Gegensatz zu anderen Frauen. Dies ermöglicht eine Personalisierung der Früherkennung. Im Unterschied zu der regulären Früherkennung, werden hierfür mathematische Modelle zur Hilfe genommen, die auf Studien mit Tausenden von Patientinnen basieren. Dank der Algorithmen lässt sich das individuelle Brustkrebsrisiko errechnen. Je nach Berechnungsmethode und Fall werden eine Reihe von Faktoren miteinbezogen: Dazu gehören das Alter, das Alter bei der ersten Regelblutung, Anzahl und Zeitpunkt von Schwangerschaften, Eintritt der Wechseljahre, Brustkrebserkrankungen in der Familie und der Body-Mass-Index. Ein wichtiger Risikofaktor kann durch die Durchführung einer «Basismammographie» errechnet werden: Die Mammographie entdeckt nämlich nicht nur Veränderungen der Brust; sie gibt auch Aufschluss über die individuelle Brustdichte, – welche wiederum ein wichtiger Faktor des individuellen Risikos ist.

Daraus ergeben sich sogenannte Risikowerte, welche einen grafisch darstellbaren Hinweis darauf liefern, wie sich das personalisierte Brustkrebsrisiko im Vergleich zu jenem der Durchschnittsbevölkerung verhält. «Diese Information hilft der Patientin dabei, in Absprache mit ihrem Arzt, eine persönliche Entscheidung zu treffen, wie sie mit diesem Risiko umgehen möchte», so Dubsky. Weist eine Frau niedrige Risikowerte auf, so ist der Nutzen einer regelmässigen Mammographie unsicher: Die Eigenuntersuchung oder die klinische Kontrolle beim Facharzt sind ausreichend. Bei Frauen mit erhöhtem Risiko kann zusätzlich die regelmässige Früherkennungsmammographie sehr sinnvoll sein. «Ein solches Vorgehen ist einfach, günstig und berücksichtigt das objektive Brustkrebsrisiko und wie «Frau» damit umgehen will», sagt Dubsky weiter.Ablauf 5 Schritte zur personalisierten Früherkennung von Brustkrebs

Es liegt immer im Ermessen jeder einzelnen Frau, wie sehr sie auf ein leicht erhöhtes, aber noch nicht alarmierendes Resultat reagieren möchte. So gibt es gemäss Facharzt Peter Dubsky Frauen, die schon bei kleinsten Abweichungen von den Normwerten eine engmaschige Kontrolle schätzen, während andere sich der emotionalen Belastung und regelmässigen Kontrollen nicht aussetzen möchten und stattdessen lieber auf die Selbstuntersuchung setzen. «Ich bin kein Verfechter regelmässiger Screenings. Bei Frauen mit einem erhöhten Risiko macht eine regelmässige Kontrolle jedoch absolut Sinn und kann letztlich über den weiteren Verlauf des Lebens entscheiden», findet Dubsky.

 

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