Immer mehr Patienten suchen die Notfallstationen der Spitäler auf, aber auch andere Notfallanlaufstellen wie Permanence-Praxen. Ein Trend, der wohl vor allem dem Rückgang an Hausärzten zuzuschreiben ist, ebenso wie dem Bedürfnis nach einer Rund-um-die-Uhr-Versorgung samt diverser technischer Untersuchungsangebote.

Um diesem Bedürfnis gerecht zu werden, braucht es eingespielte Abläufe und die fachgebietsübergreifende Zusammenarbeit verschiedener Spezialisten. Dies ist auf der Notfallstation der Hirslanden Klink Im Park in Zürich der Fall ist, und zwar an 24 Stunden an 7 Tagen die Woche.

Wann ist ein Notfall ein Notfall?

Notfallstationen gehören zur medizinischen Grundversorgung. Sie stehen der Bevölkerung jederzeit bei akut auftretenden medizinischen Problemen zur Verfügung. Doch wie definiert sich ein medizinischer Notfall? Hier besteht ein breiter Interpretationsspielraum. Letztlich definiert dies aber der Patient selbst. Hat eine Person den Eindruck, notfallmässig einen Arzt zu brauchen, so ist der Besuch einer Notfallstation gerechtfertigt. Das bedeutet, dass die Ärzte und Pflegefachleute einer Notfallstation täglich mit Erkrankungen und Verletzungen verschiedenster Art und im unterschiedlichsten Ausmass konfrontiert sind.

Die folgenden Fallbeispiele geben einen Einblick über den vielseitigen Alltag in der Notfallmedizin und zeigen, wie verschiedene Patienten an dieser ersten Anlaufstelle versorgt werden.

Erkältung oder Lungenentzündung?

Die 63-jährige Frau M. leidet seit drei Wochen unter anhaltendem, starken Husten. Begonnen haben ihre Beschwerden mit Heiserkeit und Schnupfen. Ihr Hausarzt diagnostizierte zunächst eine banale Erkältung und behandelte die Symptome. Mittlerweile sind der Schnupfen sowie die Heiserkeit und die Halsschmerzen abgeklungen. Der Husten besteht aber weiter und Frau M. hat überdies einen gelblich-grünlichen Auswurf entwickelt. Inzwischen fühlt sie sich auch noch schwach und hat Fieber. Ihr Allgemeinzustand hat sich definitiv verschlechtert. Nun ist allerdings ihr Hausarzt in den Ferien, weshalb sie auf die Notfallstation kommt.

An der Notfallstation fällt der eingeschränkte Allgemeinzustand von Frau M. sofort auf. Die Notfallärztin hört die Lunge ab und nimmt Auffälligkeiten wahr. Sie veranlasst eine Blutuntersuchung, die deutlich erhöhte Entzündungswerte ergibt. Eine Röntgenaufnahme der Lunge zeigt schliesslich das Bild einer Lungenentzündung. Mikrobiologische Untersuchungen von Sputum- (Auswurf) sowie von Blut- und Urinabnahmen bestätigen die Diagnose. Die Ärztin leitet eine Antibiotikatherapie ein. Ebenfalls veranlasst sie bei Frau M. eine Hydrierung, also die Gabe von Flüssigkeit in die Vene. Der Zustand von Frau M. verbessert sich daraufhin deutlich und sie kann deshalb am selben Tag nach Hause.

Da ihr Hausarzt noch ein paar Tage in den Ferien ist, wird auch gleich die Kontrolluntersuchung in zwei Tagen auf der Notfallstation vereinbart. Bis dahin hat Frau M. kein Fieber mehr, auch der Husten zeigt sich deutlich gebessert und die Entzündungsparameter sind unter der Antibiotikatherapie rückläufig. Die weitere Betreuung übernimmt der Hausarzt von Frau M. Die behandelnde Ärztin der Notfallstation hat ihn mittels eines detaillierten Berichts bereits informiert.

Bauchschmerzen

Der 59-jährige Herr B. kommt am Sonntagmorgen auf die Notfallstation. Dazu veranlasst haben ihn starke Schmerzen im Unterbauch links. Die Schmerzen bestünden schon seit einigen Tagen, seien nun aber seit gestern deutlich schlimmer. Ebenso habe er Temperaturen von 37.8°C gemessen. In der Befragung durch den diensthabenden Notfallarzt gibt Herr B. an, ansonsten gesund zu sein. Allerdings sei bei einer Vorsorge-Darmspiegelung festgestellt worden, dass er unter einer Divertikulose leide, also unter kleinen Ausbuchtungen im Dickdarm.

Dem Notfallarzt fällt beim Untersuch sofort ein deutlicher Druck- und Loslassschmerz im Unterbauch links auf: ein Zeichen einer Reizung des Bauchfells. Eine Computertomographie bestätigt den Verdacht des Notfallarztes, nämliche eine Divertikulitis, d.h. eine Entzündung der Dickdarmausbuchtungen. Komplizierend kommt hinzu, dass es einen Durchbruch im Bereich eines Divertikels gibt. Umgehend veranlasst der Notfallarzt eine antibiotische Therapie, um die Entzündung einzudämmen. Zugleich informiert er den diensthabenden Viszeralchirurgen, denn es ist eine Operation nötig. Herr B. wird detailliert über den Eingriff aufgeklärt. Am Nachmittag desselben Tages erfolgt die Operation durch den Viszeralchirurgen und sein Team. Der geschädigte Darmabschnitt wird entfernt. Der Eingriff erfolgt minimal-invasiv, also über kleinste Zugänge und ohne grosse Schnitte. Herr B. bleibt nach der Operation 7 Tage im Spital.

Rückenschmerzen

Die 36-jährige Frau M. kommt mit Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule auf die Notfallstation. Die Schmerzen bestehen, seit sie am Vortag zuhause eine schwere Kiste angehoben hat.

Ein Arbeitskollege von ihr habe vor Kurzem einen Bandscheibenvorfall erlitten mit Lähmungserscheinungen in einem Bein. Frau M. hat deshalb Angst, ebenfalls einen Bandscheibenvorfall zu haben. Die körperliche Untersuchung durch die diensthabende Notfallärztin zeigt zum Glück rasch, dass bei Frau M. keine neurologischen Ausfallserscheinungen vorliegen, es also zu keiner Mitbeteiligung der Nerven gekommen ist. Eine solche würde sich in Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen oder Problemen bei den Ausscheidungen manifestieren. Da bei Frau M. auch keine sonstigen Warnsymptome wie Fieber, frühere Unfälle oder relevante Vorerkrankungen vorhanden sind, kann auf eine weiterführende Untersuchung mittels Röntgen, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie verzichtet werden.

Die Notfallärztin leitet eine Schmerztherapie ein und erklärt Fr. M., worauf sie bei körperlicher Belastung achten müsse. Ebenso erklärt sie ihr, wann ein neuerlicher Arztbesuch zwingend notwendig sei, nämlich dann, wenn Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Harn- oder Stuhlunregelmässigkeiten auftreten würden. Nach Einleitung der Schmerztherapie an der Notfallstation kann Frau M. nach Hause entlassen werden.

Notfallstation der Hirlsanden Klinik:

Die Notfallstation der Hirlsanden Klinik Im Park ist an 24 Stunden an die 7 Tagen die Woche geöffnet. Sie ist Anlaufstelle für sämtliche medizinischen Notfälle für Erwachsene (ab 16 Jahren). Als interdisziplinäre Notfallstation bietet sie das gesamte Spektrum an Medizin und Chirurgie (ausser: Polytraumata, neurovaskuläre Notfälle) und steht allen Versicherungsklassen offen.

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