Bald ist Weltstillwoche, eine gute Gelegenheit, das Thema Stillen im Baby-Blog zu betrachten.

Weltstillwoche

Einmal jährlich ist Weltstillwoche. Eine Kampagne, welche weltweit durchgeführt und unter anderem von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) und des Unicef (United Nation Children`s Fund) organisiert wird. Die Kampagne verfolgt das Ziel, weltweit das Stillen und dessen Akzeptanz zu fördern. In der Schweiz findet die Weltstillwoche dieses Jahr vom 16. bis 23. September statt, unter dem Slogan «Stillen geht uns alle an». Organisiert wird sie von der Stillförderung Schweiz. Bei der Planung und Umsetzung sind folgende Partnerorganisationen beteiligt: Schweizerischer Hebammenverband (SHV), Berufsverband Schweizer Stillberaterinnen (BSS), La Leche League (LLL), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) und Fachverband Mütter- und Väterberatung (SF MVB).

Grundsätzliches zum Thema Stillen

Zuerst einmal ein paar Fakten rund ums Stillen:

  • In der Schweiz kann/soll jede Frau persönlich entscheiden dürfen, ob sie stillen möchte oder nicht. Es ist ein Abwägen von Vor- und Nachteilen und der individuellen Lebenssituation.
  • Die WHO empfiehlt ausschliessliches Stillen in den ersten 6 Lebensmonaten weltweit.
  • Stillen ist ein natürlicher Prozess, welcher das Kind optimal versorgt. Stillen ist eigentlich ziemlich «normal» und doch sorgt es manchmal für Anfangsprobleme.
    Stillen in der Öffentlichkeit wird in Europa meistens toleriert.
  • Form und Grösse von Brüsten und Brustwarzen sind individuell von Frau zu Frau sehr verschieden. Wichtig für das Stillen ist nicht die Grösse der Brust, sondern dass Drüsengewebe vorhanden ist.
  • Muttermilch besteht aus ca. 88% Wasser, zusätzlich aus Proteinen (Eiweissen), Kohlenhydraten, Fetten, Mineralstoffen, Vitaminen und Eisen, ebenso aus Immun- und Abwehrstoffen (Enzyme, Immunoglobuline).
  • In seltenen Fällen soll aus medizinischen Gründen nicht gestillt werden (z.B. bei HIV, Einnahme von starken Medikamenten).
  • Alkohol, Nikotin und Drogen gehen in die Muttermilch über, deshalb soll während des Stillens darauf verzichtet werden. Eine Medikamenten-Einnahme soll mit dem Arzt oder der Hebamme abgesprochen werden.

Vorteile des Stillens

  • Praktisch und immer dabei
  • Die Muttermilch hat immer die richtige Temperatur und Zusammensetzung (passt sich dem jeweiligen Alter des Babys automatisch an).
  • Keine Zubereitungsfehler oder Probleme mit verunreinigtem Wasser
  • Immun- und Abwehrstoffe unterstützen das Baby beim Schutz vor Krankheiten.
  • Stillen fördert die Mutter-Kind-Beziehung (Zuwendung, Wärme, Nähe, Körperkontakt).
  • Es ist «gratis», entlastet das Haushaltsbudget und die Umwelt.
  • Stillen fördert die Gebärmutterrückbildung der Mutter nach der Geburt (durch die Ausschüttung des Hormons Oxytocin).
  • Es fördert die Entwicklung der Kiefer- und Mundmuskulatur des Babys.
  • Muttermilch kann abgepumpt werden und lässt sich einfrieren.
  • Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, wird durch das Stillen leicht gesenkt.

Nachteile des Stillens

  • Väter können sich ausgeschlossen fühlen.
  • Umgekehrt ist die Mutter als alleinige «Nahrungsquelle» ziemlich «angebunden» und kann das Baby nie länger mit dem Vater oder einer Hüteperson alleine lassen. Sofern das Baby auch die Flasche nimmt, kann hier allenfalls Abpumpen der Muttermilch helfen. Statt mit der Flasche kann abgepumpte Muttermilch auch mit einem kleinen Becher oder mit einem kleinen Löffel eingegeben werden.
  • Was tun, wenn die Mutter früh die Arbeit wieder aufnimmt und sich Abpumpen am Arbeitsplatz als schwierig gestaltet?
  • Milcheinschuss, Milchstau oder wunde Brustwarzen können unangenehm und/oder temporär schmerzhaft sein.

Sie sehen, es gibt Vorteile und Nachteile. Und jede Mutter und jedes Kind sind individuell. Manchmal funktioniert das Stillen besser, mal weniger gut. Und oft kommt es nicht so, wie man es geplant hat. Stillen kann eine wunderbare und natürliche Sache für Mutter und Baby sein. Funktioniert es nicht oder lässt es die Situation nicht zu, soll sich aber keine Mutter schlecht fühlen müssen oder verrückt machen lassen. Und vielleicht ist in Ihrem Fall ja auch eine Mischform von Stillen und Flasche (ob mit abgepumpter Milch oder gekaufter Pulvermilch) eine gute Lösung für Sie, Ihr Baby und Ihren Mann? Jeder muss das selber herausfinden und wir Hebammen helfen gerne dabei.

In meinem nächsten Beitrag werden Sie einige konkrete Tipps zum Stillen finden. Bis dahin sind wir gespannt auf Ihre Erfahrungen mit der Entscheidung «Stillen, Flasche oder beides».

Zwei Erfahrungsberichte zum Thema Stillen aus Mami-Sicht: