Für mich persönlich gehörte das Stillen schon immer einfach dazu. Ich stille meine Tochter deshalb auch seit sechs Monaten voll. Und es scheint ganz so, als wolle Nia dies in nächster Zeit noch nicht ändern, denn Breichen & Co. schmecken ihr nicht wirklich.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, das Kind im Minimum sechs Monate zu stillen. Heute werden in der Schweiz direkt nach der Geburt neun von zehn Säuglingen gestillt. Nach drei Monaten sind es jedoch nur noch deren fünf. Der Wiedereinstieg in den Beruf, mangelnde Unterstützung und praktische Hindernisse werden als mögliche Gründe dafür genannt. Meines Erachtens tragen auch die Werbung und ein gewisser gesellschaftlicher Druck dazu bei, möglichst rasch auf Folgemilch und Beikost umzusteigen. Doch das kam für mich bisher nicht in Frage.

Aller Anfang ist schwer

Während den ersten Tagen im Spital hatten wir unsere liebe Mühe mit dem Stillen. Aber Aufgeben war für mich keine Option. Von der rechten Brust trank Nia gut, bei der linken jedoch fiel ihr das Trinken schwerer. Und auch heute gibt die rechte Brust fast doppelt so viel her wie die linke. Doch das ist ganz normal. Es kann auch sein, dass das Kind eine Lieblingsbrust hat. Wichtig ist einfach, dass man beim Stillen stets die Seite wechselt, denn beim Saugen an der Brust werden Prolaktin und Oxytocin ausgeschüttet. Hormone, welche die Milchproduktion und den Milchfluss anregen. Sprich: Je mehr das Kind an der Brust saugt, desto besser kommt die Milchproduktion in Fahrt!

Der Moment, in welchem die Ausschüttung des Oxytocins in beiden Brüsten die Milchgänge zusammenziehen lässt, nimmt man als leichtes Ziehen wahr. Dabei wird die Milch quasi aus der Brust gedrückt und fliesst dem Baby somit leichter in den Mund. Ich beobachte stets, wie Nia nach diesem Ziehen das Trinken ganz leicht fällt. Sind die Brüste jedoch einmal stark gefüllt, verschluckt sie sich manchmal auch, da dann zu viel Milch auf einmal fliesst. Ich lege dann einfach eine kurze Pause von einigen Sekunden ein. Danach kann sie in Ruhe weiter trinken.

Übung macht den Meister

Die ersten drei Monate setzte ich Nia täglich zwischen 13 und 17 mal an. Ich war so zu sagen nur am Stillen. Erst nachdem ihre Koliken nachliessen (ungefähr nach 3.5 Monaten), pendelte sich bei uns ein Rhythmus ein. Heute kommt sie tagsüber alle 2-4 Stunden. Nachts haben wir den Dreh noch nicht so ganz raus. Nia schläft noch immer mit mir in einem Bett und nuckelt nachts öfters mal an der Brust, um wieder in Ruhe einschlafen zu können (sie hasst den Schnuller).

Das Stillen geht nun einfacher, doch muss ich jetzt den Ort zum Stillen weiser wählen. Anfangs konnte ich die Kleine noch überall stillen. Denn sie war noch ganz mit sich selbst beschäftigt. Je älter sie nun wird, desto mehr Ruhe ist beim Stillen nötig, da sie sich allzu schnell von Geräuschen und Bewegungen ablenken lässt.

Wer hat eigentlich gesagt, Stillen sei leicht?

Seit Ende des Mutterschaftsurlaubes pumpe ich an zwei Tagen pro Woche ab, da ich zu 40% berufstätig bin. Und ja, Stillen und Abpumpen brauchen viel Zeit und Energie und können sehr schmerzhaft sein. Speziell bei einem Milchstau, einer Brustentzündung oder sehr gefüllten Brüsten fühlt sich das Ziehen in der Brust beim Stillen leider sehr schmerzhaft an. So rosig wie Stillen stets beschrieben wird, ist es wahrlich nicht. Manchmal geht es besser, manchmal weniger. Teils hat man zu viel Milch, teils fast zu wenig.

Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich Stress und Krankheit negativ auf die Milchbildung auswirken. Des Weiteren bin ich überzeugt davon, dass sich die eigene Ernährung in der Stillzeit auf das Wohlbefinden des Kindes auswirkt, auch wenn aktuelle Lehrmeinungen dagegen sprechen. Ich habe, bis auf eine echt schwerwiegende Brustentzündung, alles durch: zu wenig Milch, wunde Brustwarzen und zwei schmerzhafte Milchstaus.

Gerade in schwierigen Phasen wollten mich Ärzte, Freunde und Angehörige stets zu Folgemilchpräparaten überreden. Da ich ein absoluter Gegner von Fertigprodukten und verarbeiteten Lebensmitteln bin, kam das für mich nie in Frage. Auch wenn die Auflagen für die Herstellung von Babynahrung besonders hoch sind – dahinter stehen Unternehmen, die möglichst billig produzieren und viel verkaufen wollen. Das Gesündeste für das Kind ist und bleibt die Muttermilch. Ausserdem fällt beim Stillen das lästige Portionieren und Temperieren weg. Die Milch ist unterwegs stets mit dabei und kostet nichts.

Wie weiter?

Mindestens sechs Monate wird empfohlen voll zu stillen. Doch es ist nicht zu leugnen, dass ein gewisser gesellschaftlicher Druck herrscht, der einem suggeriert, möglichst schnell abzustillen. So liess auch ich mich unter Druck setzen, Brei zu kochen und Früchtchen zu füttern. Doch Nia hatte bisher noch keine wirklich grosse Lust darauf. Sie darf jedoch jederzeit von Früchten probieren oder auch mal ein, zwei Löffelchen Brei versuchen. Doch schmecken tut’s ihr irgendwie noch nicht.

Doch wie lange säugen wir Menschen unsere Babies eigentlich? Dazu habe ich einen wirklich gut geschriebenen Artikel gelesen, den ich euch nicht vorenthalten möchte: Langzeitstillen – wo ist das Problem? (PDF). Darin steht, dass die Stilldauer aller dokumentierten Kulturen im Durchschnitt bei etwa 30 Monaten liegt! Interessant ist auch, dass vor rund 45 Jahren das Stillen in unserer Gesellschaft sogar verpönt war und fast ganz aus dem Bestand der Traditionen entfernt worden wäre.

Heute gewinnt das Stillen glücklicherweise wieder an Bedeutung, nicht zuletzt auch durch die Breastfeeding Selfies die zurzeit im Netz kursieren. Die Bewegung, die unter dem Hashtag #breastfeedingisbeautiful auf Twitter, Facebook & Co. verfolgt werden kann, wurde durch ein Bild von Topmodel Gisele Bündchen angestossen.

Ich persönlich, weiss noch nicht, wie lange ich Nia stillen werde. Ich verlasse mich dabei ganz auf ihre Bedürfnisse.