Der 4. Dezember 2014 war der errechnete Geburtstermin. In den Wochen vorher hatte ich ab und an leichte Unterleibsschmerzen – Senkwehen wahrscheinlich, wie man überall liest. Ansonsten tat sich noch nicht viel in meinem Bauch, das die Geburt angekündigt hätte.

Ab der 36. Woche ging ich dann in kürzeren Abständen zu meinem Gynäkologen und regelmässige CTG-Untersuchungen fanden statt. Die Herztöne unseres Babys waren stets bestens, es bewegte sich viel und lag richtig, mit dem Kopf nach unten. Wehen waren aber nie zu messen, geschweige denn zu spüren. Auch nicht, als der 4. Dezember immer näher rückte, und auch nicht, als ich übertrug. Wir übten uns in Geduld und warteten gespannt auf den «Startschuss».

Einleiten oder Kaiserschnitt?

Aber es blieb ruhig, keine Anzeichen von Wehen und die Ungeduld stieg. Irgendwann hatte ich so ein Gefühl, als wolle es raus oder sich nach unten wurschteln, schaffte es aber nicht. Als ich eine Woche über dem Termin war, sagte mein Arzt, wir könnten einleiten und schauen, ob sich dann etwas tun und Wehen eintreten würden. Er gab mir einige Tage Bedenkzeit. Mein Mann und ich besprachen dies und fanden es einen guten Vorschlag, denn ich wollte natürlich probieren, spontan zu gebären.

Am 12. Dezember hatte ich wieder einen Termin bei meinem Gynäkologen. In den letzten 4 Wochen hatte sich unser Baby nicht weiter ins Becken gesenkt und auch am CTG tat sich weiterhin nichts in Sachen Wehen. Also innert 4 Wochen keine Veränderung. Nochmals beriet mich mein Arzt und zeigte mir die verschiedenen Optionen auf:

  1. Einleiten
  2. Kaiserschnitt

Beim Einleiten steige allerdings das Risiko für Mutter und Kind, wenn sich auch dann nichts tun und keine Wehen eintreten würden. Ich erinnerte mich an meine eigene Geburtsgeschichte, die mir meine Eltern erzählt hatten. Ähnlich wie mir jetzt erging es meiner Mutter mit mir: Sie hatte keine Wehen, übertrug und dann wurde eingeleitet. Aber es tat sich weiterhin nichts und somit gab es einen Notkaiserschnitt. Damals noch mit Vollnarkose. Der Kaiserschnitt dauerte länger als geplant. Meine Mutter brauchte eine weitere Narkosedosis, die ich natürlich auch abbekam, und ich kam dann mit zu wenig Sauerstoff auf die Welt. Ich musste direkt in ein anderes Spital verlegt werden. Meine Mutter wachte auf, ich war weg und sie sah mich erst drei Wochen später. Eine Vorstellung, die mir noch jetzt die Tränen in die Augen treibt.

Bauchentscheidung

Auch wenn die heutigen medizinischen Voraussetzungen sicher besser sind, entschied ich mich mit dieser Hintergrundgeschichte am 12. Dezember aus dem Bauch heraus: «Wir machen direkt einen Kaiserschnitt. Beim Einleiten habe ich kein gutes Gefühl.» Und somit war dann bereits am 13. Dezember früh morgens Termin – ich war die Erste im OP.

Der Abend davor und die Nacht waren speziell: Zwar konnten wir in Ruhe alles packen, unsere Eltern informieren, aber wussten umgekehrt auch, dass morgen um diese Zeit bereits alles anders und wir endlich zu dritt sein würden. Ich redete viel mit unserem Baby im Bauch und erklärte zig Mal, was morgen beim Kaiserschnitt auf es und mich zukommen würde. «Das ist nichts Schlimmes und wir freuen uns sehr darauf und auf dich.»

Mein Bauchgefühl gab mir Recht: Für uns war es das perfekte Geburtserlebnis. Kaum war unser Sohn rausgeholt, schrie er und uns schossen die Tränen in die Augen. Mein Sohn wurde mir kurz gezeigt und in den Arm gelegt: Wir liessen ein Foto machen und dann ging mein Mann mit unserem Sohn, dem Kinderarzt und der Hebamme raus – seine ersten Werte waren super. Das Bonding* machte mein Mann (ich wurde im OPS noch zugenäht). Mein Mann erlebte so, wie er heute noch sagt, den schönsten und einmaligsten Moment der ganzen Geburt.

Kaiserschnitt muss nicht negativ sein.

Ich ärgere mich oft über die Berichte zum Thema Kaiserschnitt und das dieser meist so negativ dargestellt wird im Vergleich zur Spontangeburt.

Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, zu einem Kaiserschnitt überredet worden zu sein. Im Gegenteil, ich wurde bestens beraten und durfte selbst die Entscheidung treffen. Das Vertrauen in mein Bauchgefühl war goldrichtig, das weiss ich. Dennoch habe ich oft das Gefühl, ich müsse mich für diesen Entscheid zum Kaiserschnitt rechtfertigen.

Und auch das Bonding* durch den Vater: Es wird immer betont, wie wichtig das Bonding für Mutter und Kind ist. Aber was ist mit dem Vater? Wir durften es anders machen als üblich und sind alle drei sehr glücklich darüber. Ich hatte nie Bindungsprobleme zu meinem Sohn und mein Mann durfte ganz am Anfang einen ganz innigen Moment mit unserem Sohn erleben, den ich ihm total gönne.

Wie wird es bei der nächsten Geburt?

Heute, knapp 2,5 Jahre später, bin ich wieder schwanger, in der 36. Woche. Geplant ist bisher nur, dass die Geburt wieder in der Klinik Hirslanden sein soll. Gesundheitlich spricht bei mir und unserem Baby nichts gegen eine Spontangeburt, d.h. ich möchte es darauf ankommen lassen, werde wieder meinem Bauchgefühl vertrauen und danach entscheiden. Wir sind gespannt, wann der «Startschuss» kommt.

 

* Bonding: In der Klinik Hirslanden wird beim Bonding das Baby gleich im OP-Saal durch den Neonatologen untersucht und anschliessend für die verbleibende Zeit des Kaiserschnitts auf die Brust der Mutter gelegt. Das Bonding ist ein Prozess, bei dem das Kind und seine Mutter eine emotionale Bindung zueinander aufbauen. Dies wirkt sehr beruhigend auf das Neugeborene sowie auch auf die Mutter und ist für die Mutter-Kind Beziehung ein wichtiger Bestandteil. Das Bonding kann auf Wunsch auch vom frischgebackenen Vater übernommen werden.

 

Lesen Sie weitere persönliche Geburtsstorys:

Haben auch Sie eine Geburtsstory erlebt, die Sie mit uns teilen möchten? Kontaktieren Sie uns via Hirslandenbaby – vielleicht können wir diese ja auch veröffentlichen