Wenn ein Knochen bricht, zwingt er den Körper zu einer Pause. Damit alles gut kommt, sollte diese so lange dauern, bis der Knochen auch wirklich verheilt ist. Zu früh mit dem Sport zu beginnen ist gefährlich. Von was die Dauer dieser Zwangspause abhängt und wie man danach zurück zum Sport findet, erläutere ich Ihnen in den folgenden Zeilen.

Wie lange man nach einem Knochenbruch auf Sport verzichten muss, lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt stark von der Art und Ausgeprägtheit des Bruches ab. Die Dauer der Zwangspause, in der der Knochen wieder heilt, muss in jedem Fall der Arzt individuell abschätzen. Leider ist es auch so, dass man nicht nach jedem Knochenbruch wieder zu 100 Prozent sportfähig wird oder allenfalls die Sportart wechseln muss.

Knochenbruch ist nicht gleich Knochenbruch.

Eine Vielzahl von Brüchen heilt in einigen Wochen und man kann danach zu 100 Prozent wieder Sport treiben.

Es gibt aber auch komplizierte Brüche, bei denen es länger dauert, bis jemand wieder Sport betreiben oder sogar nicht mehr ganz zu seinem bisherigen Sport zurückkehren kann. So spielt es zum Beispiel eine Rolle, wie nahe am Gelenk der Knochen bricht oder ob eine Gelenkfläche zerstört wird. Gelenkbrüche sind komplexer und bergen auch das Risiko einer späteren Arthroseentwicklung. Ebenfalls schwerwiegend sind Brüche, welche die Durchblutung der angrenzenden Knochen beeinträchtigen, was zum Beispiel bei Schulter-, Hüftkopfbrüchen oder bei starken Verschiebungen der Bruchfragmente der Fall sein kann. Es kommt vor, dass Knochenanteile in der Folge absterben. Das führt vielleicht zu sportlichen Einschränkungen. Auch ein Trümmerbruch ist komplexer als einer, der nur gerade oder spiralförmig durch den Knochen geht.

Ein spezieller Fall ist der Ermüdungsbruch. Er entsteht aufgrund einer chronischen Überlastung oder einer Durchblutungsstörung bei einem erkrankten Knochen und nicht durch einen Unfall. Ein solcher Bruch hat immer eine Vorgeschichte, dessen chronisches Problem auch weniger schnell zu lösen ist. Patienten mit einem Ermüdungsbruch müssen mit einer längeren Rehabilitationszeit rechnen als diejenigen, bei denen mittels höherer Krafteinwirkung ein gesunder Knochen zu Bruch geht.

Der Knochen braucht seine Zeit

Ganz unabhängig von der Behandlungsart: Der gebrochene Knochen braucht seine Heilungszeit. Diese dauert grundsätzlich gleich lang, egal ob der Bruch im Gips ruhig gestellt oder mit einer Operation behandelt wird. Die Behandlungsmethode hängt vielmehr von der Stellung des Bruches oder der Stabilität ab. Eine Operation hat den Vorteil, dass eine gewisse Funktionsstabilität früher erreicht wird, der Patient ein angrenzendes Gelenk dadurch früher bewegen kann und deshalb ein geringerer Muskelverlust während der Erholungszeit entsteht.

Es braucht aber einige Wochen Schonung und Entlastung, damit der Knochen wieder stabil und richtig zusammenwächst. Der Arzt legt diese Zeit je nach Art des Bruches fest und überprüft danach anhand von Röntgenbildern, ob es auch funktioniert hat. Ist dem so, kann der Patient mit der Physiotherapie starten, bei der die Beweglichkeit der Gelenke trainiert wird und die Muskeln wieder aufgebaut werden. Nach beispielsweise sechs Wochen Entlastung soll kontinuierlich mit zwei bis drei Physioterminen pro Woche der Muskelaufbau gefördert werden. Bei ca. 80 Prozent der Brüche ist nach zehn bis zwölf Wochen ein uneingeschränkter Muskel- und Bewegungsaufbau möglich. Je nachdem, welche Extremität vom Bruch betroffen ist, kann zudem in der Übergangszeit die Beweglichkeit und Muskulatur der nicht verletzten Extremitäten mit Übungen aufrechterhalten werden.

Erst Muskelaufbau, dann Kondition

Wichtig ist, dass erst nach einem koordinierten Muskelaufbau der Sport in Angriff genommen wird. So führt ein zu frühes Jogging nach einem nicht komplett verheilten Knochenbruch zu einer Überbelastung. Das Risiko eines erneuten Bruchs oder eines Versagens von eingesetzten Platten und Schrauben liegt dann nahe.

Hat der Muskelaufbau stattgefunden und haben der Arzt und Physiotherapeut ihr Okay gegeben, kann mit leichtem Jogging begonnen werden, vorzugsweise auf weichem Gelände, kurzen Strecken und langsam aufbauend. Es gibt aber auch Sportarten, die sich besser eignen, um wieder fit zu werden: Nach einem Beinbruch empfiehlt sich Velofahren oder ein Rudertraining zum Aufbau der Kondition. Schwimmen eignet sich ebenfalls hervorragend, dabei kommt es aber auf den Bruch an: Bei einem kniegelenksnahen Bruch ist Brustschwimmen kontraproduktiv, Kraulen hingegen belastet den Knochen weniger.

Zu Beginn des Aufbautrainings sollte man auf intensives Lauftraining oder Stop-and-go-Sportarten verzichten. Mit Kontaktsportarten sollte erst begonnen werden, wenn die Muskulatur so aufgebaut ist, dass normale Sportarten voll ausgeübt werden können.

Am besten bleiben Sie in stetigem Kontakt mit Ihrem Arzt und Physiotherapeuten. Diese werden Sie entsprechend beraten, ab welchem Zeitpunkt welche Sportart für Sie geeignet ist.

Allenfalls Wechsel der Sportart

Wie bereits erwähnt, führt leider nicht jeder Knochenbruch zur vollen Sportfähigkeit zurück. Das Risiko von Folgeschäden ist möglich, wenn der Patient eine ungünstige Sportart weiter betreibt. Bei drastischen Fehlstellungen oder einem Gelenkbruch besteht ein höheres Arthroserisiko. Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt darüber, ob Ihre bisherige Sportart ein Risiko darstellt, Sie besser eine andere ausprobieren oder ob Sie die Intensität reduzieren.

Eine komplette Schonung hingegen ist meist kontraproduktiv, denn die Knochenqualität hängt von einer gewissen Aktivität ab. Bewegung verbessert den Mineralgehalt in den Knochen. Die eigene Knochenqualität hat auch einen Einfluss auf den Heilungsverlauf und die künftigen Sportmöglichkeiten. Dabei spielt neben dem Alter eine allfällig vorhandene Osteoporose eine Rolle. Vitaminsubstanzen oder Knorpelschutzpräparate können die Heilung unterstützen.

Knochen geflickt, aber doch noch Schmerzen und Unsicherheiten?

Mit einem Unfall sind meistens auch viele Ängste verbunden. Die Schmerzen und die verordnete «Schonzeit» führen dazu, dass sich auch mental eine gewisse Entlastung einschleicht. So passiert es oft, dass der Patient weiterhin die betroffene Extremität entlastet, obwohl der Knochen verheilt ist. Gründe dafür sind ein allfälliger Restschmerz oder weil man es sich «antrainiert» hat. Von einer Knochenhautverletzung oder Vernarbung umliegender Weichteile kann ein Restschmerz herrühren. Ein Knochenbruch ist nicht nur ein Knochenbruch, den man flickt und dann ist alles wieder gut. Es können immer zusätzliche Schäden, wie Weichteilverletzungen oder Vernarbungen mitspielen und zu Restbeschwerden oder Unsicherheiten führen. Dann ist es hilfreich, einen Sportphysiotherapeuten aufzusuchen, der dies analysiert. Er hilft dabei, ein normales Gangbild anzutrainieren. Bei störenden Vernarbungen helfen meistens gezielte Dehnungsübungen.

Auf jeden Fall sollen verbleibende Beschwerden nicht einfach stillschweigend akzeptiert oder ignoriert, sondern mit dem Physiotherapeuten und dem Arzt besprochen werden. Mit einer sorgfältigen Abklärung findet man die Ursache und kann diese eventuell behandeln oder Tipps zur Verbesserung der Lebensqualität, wie zum Beispiel einen Sportartwechsel, mitgeben.