Zuckerkrankheit und Bewegung/Sport stehen im engen Wechselspiel, sowohl bei Diabetes mellitus Typ 1 als auch bei Diabetes mellitus Typ 2. Wie dieses Wechselspiel funktioniert und worauf Diabetiker beim Sport achten müssen, bringe ich Ihnen im folgenden Beitrag näher. Schon mal vorweg: Sport und Bewegung sind auf jeden Fall gesund. Und bei Diabetes erst recht.

Zu Beginn ein paar Begriffserklärungen zum Verständnis: Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Es wirkt an den Zellwänden wie ein Schlüssel und macht, dass der Zucker (unser Energiespender) in die Leber-, Fett- und Muskelzellen transportiert werden kann. Ist es dem Zucker infolge Insulinmangel und/oder Resistenz nicht möglich, in die Zellen zu gelangen, erhöht sich der Blutzuckerspiegel.

Unterschied Diabetes Typ 1 und 2

Ein Diabetiker Typ 1 hat fast oder gar kein Insulin mehr, was auf einer Autoimmunkrankheit und/oder erblichen Veranlagung beruht. Die Krankheit beginnt meist im Kindesalter, kann aber in jedem Lebensjahr auftreten. Als Therapie muss Insulin gespritzt werden.

Diabetes Typ 2 kann ebenfalls erblich bedingt sein, braucht aber zusätzliche Auslöser (Übergewicht, Fehlernährung, Bewegungsmangel, ethische Herkunft) und tritt zunehmend auch bei Minderjährigen auf. Die Patienten produzieren zwar Insulin, doch kann der Körper dies nicht mehr wirksam verwenden, um den Blutzucker in Energie umzusetzen. Zu viel Zucker bleibt im Blut. Dagegen helfen in erster Linie eine Ernährungsumstellung und Bewegung. Meist kommen vor allem am Anfang auch Tabletten zum Einsatz. Diese enthalten nicht das Hormon Insulin selbst, sondern bewirken, dass es besser wirken kann und/oder die Bauchspeicheldrüse zur Insulinproduktion angeregt wird.

Sport und Bewegung regulieren den Blutzuckerspiegel

Neben einer ausgewogenen Ernährung ist Bewegung das A und O einer Diabetestherapie. Jede körperliche Aktivität steigert den Energiebedarf, senkt so den Blutzuckerspiegel und verbessert die Insulinwirkung. Dank Bewegung und der Aktivierung des ganzen Organismus kann der Zucker auch mit Insulinmangel in die Zellen gelangen. Regelmässiger Sport baut zudem Übergewicht ab, reduziert das Fettgewebe und das Risiko für Diabetes-Folgeerkrankungen wie Herzkreislaufprobleme, Bluthochdruck, hohen Cholesterinspiegel etc. wird vermindert. Sport und Bewegung helfen der Seele – den Leuten geht es physisch und psychisch besser.

Sportliche Betätigung und eine ausgewogene Ernährung führen oft dazu, dass Diabetiker viel weniger Insulin brauchen. So habe ich als Diabetesfachberaterin auch schon erlebt, dass Typ-2-Diabetiker erst Insulin spritzen mussten, dies später reduzieren und dann ganz bleiben lassen konnten, dank Ernährungsumstellung und regelmässiger Bewegung. Auch bei Typ-1-Diabetikern hilft Sport und senkt die benötigte Dosis an Insulin.

Sporteinstieg für Diabetiker: regelmässig und mässig

Für einen Diabetiker Typ 2 steht meist Bewegung, nicht Leistungssport im Vordergrund. Mässig, dafür regelmässig ist hier die Devise. Wer sich zu Beginn gleich überfordert, ist schnell demotiviert. Ich rate solchen Patienten, dreimal die Woche 30 Minuten anzustreben und dies ganz langsam aufzubauen. Das ist ein sehr individueller Prozess. Ich kann nicht jeden Diabetiker auffordern zu joggen oder ins Fitnessstudio zu gehen. Vor allem Übergewichtigen, die sich bisher kaum bewegt haben, fehlt anfänglich die Energie dazu. Mein Rat kann dann sein: «Gehen Sie statt mit dem Auto zu Fuss einkaufen. Oder nehmen Sie die Treppen statt den Lift.» Wenn jemand im 13. Stock wohnt, soll er am Anfang ein Stockwerk zu Fuss gehen, bevor er den Lift benutzt, ein paar Tage später zwei Stockwerke, bis er vielleicht fünf ohne Schwierigkeiten hochgehen kann. Gut geeignete Sportarten für den langsamen Aufbau sind Schwimmen, Nordic Walking oder Wandern. Wenn jemand täglich eine Stunde mit dem Hund spazieren geht, ist das auch super. Wir Diabetesfachberaterinnen geben Ratschläge, die die Betroffenen Schritt für Schritt anwenden können.

Möchte ein Diabetiker Typ 2 intensiveren Sport betreiben, sollte er vorher mit dem Arzt abklären, ob dies möglich ist. Es muss abgeklärt werden, ob bereits Folgekrankheiten wie Herz-Kreislaufstörungen oder eine Niereninsuffizienz bestehen.

Leistungssport für Diabetiker

Auch Diabetiker können Leistungssport betreiben und zum Beispiel einen Marathon bestreiten. So gibt es auch unter Spitzensportlern viele Diabetiker Typ 1. Auch hier ist ein langsamer Aufbau wichtig, zudem eine vermehrte Selbstkontrolle. Mit den heutigen Therapieformen ist dies gut möglich. Voraussetzung ist, dass die Patienten ihren Körper gut kennen. So können sie die Insulindosis je nach sportlicher Leistung in Absprache mit dem Arzt reduzieren, damit keine Unterzuckerung während und nach dem Sport passiert. Dazu müssen sie wissen, wieviel Energie ihr Körper in welcher Zeit verbraucht und wieviel Insulin er pro wieviel Kohlenhydrate benötigt.

Wenn nun also ein fitter Sportler sein Training intensivieren möchte, mit dem Ziel, einen Marathon zu rennen, soll er sich zuerst mit seinem Arzt und seiner Diabetesfachberatung zusammensetzen. Gemeinsam wird ein Plan ausgearbeitet, bei dem der Diabetiker langsam mit dem Training anfängt und fortlaufend seine Werte überprüft. Bei einem zu tiefen Messwert vor dem Training sollte er erst noch etwas Kleines (zum Beispiel eine Frucht) essen. Bei zu hohem Wert darf gar kein Sport getrieben werden, da durch den Adrenalinschub beim Sport der Zuckerspiegel noch mehr erhöht werden kann, was gefährlich wäre. Auch nach dem Sport ist es wichtig, den Blutzuckerspiegel zu messen. Denn durch die Bewegung kann je nach Intensität bis zu 24 Stunden danach der Blutzuckerspiegel sinken. Während des Sports selbst ist es schwierig zu unterschieden, ob man jetzt vor Anstrengung oder Hitze schwitzt oder ob eine Unterzuckerung naht. Deshalb sind die Blutzuckermessungen und das Bewusstsein, was man in welcher Situation braucht, so wichtig.

Grundsätzlich können Diabetiker jeden Sport machen, sofern sie sonst keine Krankheiten haben. Einzig beim Tauchen gelten noch einige zusätzliche Regeln, da unter Wasser der Stoffwechsel anders funktioniert und sich die eigene Wahrnehmung aufgrund der Kälte und der veränderten Sauerstoffzufuhr ändert: pro Tag max. zwei Mal tauchen, nie mehr als drei Tage nacheinander, kein Tauchgang bei einer Wassertemperatur unter 14 Grad Celsius. Das Risiko einer Unterzuckerung ist beim Tauchen viel grösser, weshalb es eine gute Schulung braucht.

Weitere Tipps für sportliche Diabetiker:

  • Immer Traubenzucker oder eine Alternative an hochkonzentrierten Kohlenhydraten auf sich tragen, für den Fall einer Unterzuckerung.
  • Ballaststoffreiche, also langsam wirkende Kohlenhydrate fix in die Ernährung einplanen: Diese sorgen für mehr Regelmässigkeit im Blutzuckerspiegel.
  • Der Fettanteil der Ernährung soll nicht über 30 Prozent liegen.
  • Sportlergetränke, -riegel etc. sind okay, solange der Diabetiker genau weiss, was drin ist und dies einplant.
  • Bewusste, regelmässige Ernährung zu fixen Zeiten, statt hier und da «schnell» etwas essen. Dies vereinfacht es, die Insulindosis einzustellen.

Sein eigener Diabetes-Manager werden

Der Diabetiker hat das Ziel, seine Lebensqualität möglichst beizubehalten. In der Diabetesfachberatung versuchen wir, ihn dabei zu unterstützen, auch mit Tipps und Tricks rund um Sport und Bewegung. Voraussetzung ist, dass der Diabetiker seine Stoffwechselstörung versteht. Wenn er weiss, was im Körper wie zusammenspielt, hält er sich auch leichter an entsprechende Ratschläge. Wir können mit unseren Vorschlägen nur Wegweiser sein. Schlussendlich muss der Patient sein eigener Diabetes-Manager werden. Um das geht es – wach sein und sich selbst Sorge tragen.