Winterzeit heisst auch Grippezeit. Die Grippeimpfung bietet den besten Schutz vor einer Ansteckung und Erkrankung. Geimpfte Personen schützen aber nicht nur sich selbst, sondern auch das persönliche Umfeld vor einer Grippe. Am 6. November ist nationaler Grippeimpftag. Die Grippeimpfung und andere Vorsorgemassnahmen sind auch ein wichtiges Thema im Qualitätsmanagement bei Hirslanden. Ulrike Sollmann, Leiterin Qualitätsmanagement, erklärt im Interview weshalb.

Ulrike Sollmann, Sie sind Leiterin Qualitätsmanagement bei Hirslanden. Was beinhaltet Ihr Aufgabengebiet?

Ulrike Sollmann: Ich koordiniere für die Hirslanden-Gruppe das Qualitätsmanagement und bin als Beauftragte für Patientensicherheit neben dem Qualitätsmanagement auch für das Hygiene-Management zuständig. Diesen spannenden Aufgaben widme ich mich bereits im achten Jahr.

Wie stehen Hygiene und Patientensicherheit miteinander im Zusammenhang?

Ulrike Sollmann: Ganz eng. Das Hygiene-Management ist ein Teil der Patientensicherheit. Wenn Hygienemassnahmen nicht eingehalten werden, ist die Patientensicherheit gefährdet. Wenn zum Beispiel Pflegepersonal oder Ärzte die Hände nicht desinfizieren, kann es beim Patienten zu einer Infektion kommen.

Das Spitalpersonal steht jeweils auch während der Grippezeit im Fokus: im internationalen Vergleich lässt sich ein eher kleiner Prozentsatz des Schweizer Spitalpersonals gegen die Grippe impfen. Was tut Hirslanden, um die Impfquote beim Personal zu steigern?

Ulrike Sollmann im InterviewUlrike Sollmann: Wir werden nicht müde aufzuklären und zu informieren. Es handelt sich zwar um Fachpersonal, das von seiner Ausbildung her den Wirkmechanismus einer Grippeimpfung kennen müsste. Fragen wie „Kann ich von einer Grippeimpfung krank werden?“ dürften hier eigentlich gar nicht aufkommen. Und trotzdem ist eine Impfung eine extrem persönliche Entscheidung.

Man kann niemanden dazu zwingen, aber aufklären und überzeugen. Deshalb führen wir dieses Jahr erstmalig eine gruppenweite Grippeimpfungs-Kampagne durch.

Woher kommt die Annahme, dass man von einer Grippeimpfung krank werden kann?

Ulrike Sollmann: Die Grippeimpfung beinhaltet inaktive Stoffe, man kann also davon keine Grippe bekommen. Was aber auftreten kann, ist eine Verstärkung einer Erkältung: Wenn ich zum Zeitpunkt der Grippeimpfung schon Erkältungsviren in mir trage, könnten gegen diese nicht mehr so viele Antikörper gebildet werden und die Erkältung verschlimmert sich. Viele verwechseln eine starke Erkältung mit einer Grippe. Grippe heisst von jetzt auf gleich: schweres Krankheitsbild, starke Kopf- und Gliederschmerzen und man liegt durchaus14 Tage mit hohem Fieber im Bett.

Welche Aktionen sind im Rahmen der gruppenweiten Grippeimpfungs-Kampagne geplant und was ist deren Zweck?

Ulrike Sollmann: Die Kampagne ist im Team, bestehend aus verschiedenen Hygienebeauftragten aus den Kliniken, entstanden. Zur Kampagne gehört eine Plakataktion. Die Konzernleitung, die sich auch hat impfen lassen, ist in diese eingebunden. Gleichzeitig haben wir eine Informationsbroschüre erstellt mit den wichtigsten Fragen zur Grippeimpfung wie zum Beispiel „Will nur mein Arbeitgeber, dass ich mich impfen lasse?“ Wir möchten also auch mit einigen unrichtigen Annahmen aufräumen. Das Wichtigste an unsere Kampagne ist die Aufklärung. Zusätzlich gibt es auch weitere Aktionen in den Kliniken.

Und die Kosten für die Grippe-Impfung werden natürlich für alle Mitarbeiter von Hirslanden übernommen.

Was tut Hirslanden sonst noch, um Grippeinfektionen in ihren Kliniken zu vermeiden?

Ulrike Sollmann: Wir im Corporate Office und auch die Hygienebeauftragten in den Kliniken beobachten die Anzahl Neuerkrankter, die sich in einer Praxis gemeldet haben, aber auch die Krankmeldungen bei unserem eigenen Personal. Je nach Situation kann dann zum Beispiel eine Mundschutzpflicht beim Pflegepersonal angeordnet werden, wie dies zum Beispiel letztes Jahr in einer Klinik der Fall war. Die Hygienemassnamen gelten standardmässig das ganze Jahr, unabhängig von einer Grippewelle.

Wer soll sich gegen Grippe impfen lassen und warum?

Ulrike Sollmann: Wie dies auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt, sollten sich Menschen impfen lassen, die über 65 Jahre alt sind, und solche, die chronische Erkrankungen wie Herzerkrankungen oder andere organische Leiden haben. Hier macht neben der Grippeimpfung auch eine Pneumokokken-Impfung Sinn, um Komplikationen einer Grippe wie zum Beispiel eine Lungenentzündung zu vermeiden. Gerade bei älteren Menschen ist die Gefährdung extrem hoch.

Weiter ist die Impfung für Pflegepersonal und Ärzte sehr zu empfehlen, weil sie Überträger sein können auf Patienten, die vielleicht in der Immunabwehr geschwächt sind. Dies gilt natürlich genauso für alle anderen Personen, die Kontakt zu älteren oder geschwächten Menschen haben. Zudem sollten sich Schwangere impfen lassen und Personen mit Kleinkindern unter drei Monaten im Haushalt, da deren Immunabwehr noch ungenügend entwickelt ist.

Jährlich sterben mehrere hundert Menschen in der Schweiz an Grippe. Dem sollte man definitiv vorbeugen. Das BAG bietet auch einen Online-Grippeimpfcheck an.

Weitere Informationen über die Grippeimpfung vom Bundesamt für Gesundheit BAG: www.impfengegengrippe.ch