Regina Herzog ist als Ärztin in zwei Welten zu Hause. Sie arbeitet sowohl in einer Hausarztpraxis in Meggen als auch im Notfallzentrum der Hirslanden Klinik St. Anna in Luzern. Ein Modell, das viel Abwechslung bietet – und ausreichend Freiraum für das Privatleben.

Als sich die Tür zum MRI schliesst, atmet Regina Herzog erst einmal tief durch. Es ist noch nicht einmal 8 Uhr morgens, und doch hat dieser Tag schon das volle Programm geboten. Normalerweise ist die Frühschicht im Notfallzentrum der Hirslanden Klinik St. Anna ein Versprechen auf einen eher ruhigen Start in den Tag. Meist beginnt die Hektik erst gegen 10 Uhr, wenn sich der Notfall langsam füllt, die Kojen knapp werden, die Triage anspruchsvoller. Doch an diesem Donnerstag ist alles etwas anders.

Kurz nach 7 Uhr war der Anruf vom Rettungsdienst gekommen: Ein Patient mit Verdacht auf eine zerebrovaskuläre Insuffizienz. Hirnschlag. Im Fachjargon ein «CVI im Lysefenster». Eine erfolgversprechende Behandlung sollte also immer noch möglich sein. Doch es muss schnell gehen. Auch im Notfallzentrum St. Anna gilt bei Hirnschlägen: «Time is Brain». Je schneller die Diagnose steht, desto geringer das Risiko einer dauerhaften Schädigung. Schon in den ersten Minuten nach Eintreffen des Patienten hat Regina Herzog den gesundheitlichen Hintergrund des Patienten abgeklärt, Kontraindikationen geprüft und einen so genannten NIHSS-Score erstellt. Kann der Patient die Arme heben und halten? Objekte auf Bildern benennen? Kennt er sein eigenes Alter? Je höher der Wert, desto schwerer das entstandene Defizit.

Jetzt ist der 74-Jährige in Obhut der Radiologen. Das MRI wird endgültige Klarheit bringen. Den Neurologen hat Regina Herzog bereits avisiert, er entscheidet über die weitere Behandlung. Ist eine Lysetherapie indiziert, wird Regina Herzog den Bolus verabreichen und die Verlegung des Patienten auf die Intensivstation koordinieren, oder, falls interventionelle Eingriffe nötig sind, ins nächstgelegene Stroke Center. Sie wird den NIHSS-Score laufend aktualisieren und den Fall für die weitere Behandlung minutiös dokumentieren. Und dann, irgendwann, freut sie sich auf den ersten Kaffee des Tages.

Ein zeitgemässes Modell

Die Ruhe und Sicherheit, mit der Regina Herzog komplexe Fälle wie jenen frühmorgendlichen Hirnschlagpatienten betreut, mag auf den ersten Blick erstaunen. Denn Regina Herzog arbeitet nur in Teilzeit auf dem Notfall. Gleichzeitig ist sie Hausärztin. Wenn sie nicht in der Klinik St. Anna arbeitet, betreut sie ihre Patientinnen und Patienten in der Arztpraxis im Park in Meggen, in unmittelbarer Nähe zur Alterssiedlung Sunneziel. Jede Woche pendelt sie zwischen Notfall- und Hausarztmedizin hin und her, zwischen Akut- und Grundversorgung. Damit steht sie stellvertretend für ein noch junges, hybrides Berufsmodell in der Medizin. Für ein Modell, welches den Ansprüchen vieler junger Ärztinnen und Ärzte nach flexiblen Einsatzmöglichkeiten und einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie entspricht.

«Für mich war immer klar, dass ich meinen Kindern, sobald sie denn mal da sein würden, genug Zeit widmen möchte», sagt die gebürtige Baslerin. Als sie 2014 zum ersten Mal Mutter wurde, arbeitete sie noch als Co-Leiterin des interdisziplinären Notfalls im Kantonsspital Zug. Eine 100-Prozent-Stelle, ein Rund-um-die-Uhr-Job, eine Lebensaufgabe fast. Mit einer Familie nur sehr schwer vereinbar. 2016 kam ein zweites Kind zur Welt. Nach einer mehrmonatigen Pause stieg Regina Herzog im Notfallzentrum der Klinik St. Anna neu ein. Dort arbeitet seit 2015 auch ihr Mann Bernhard als Kardiologe. Aus einer früheren Bekanntschaft aus dem Luzerner Kantonsspital ergab sich die Möglichkeit, ein weiteres Standbein als Hausärztin in Meggen aufzubauen. «Die Konstellation ist super», schwärmt Regina Herzog. «Sie bietet viel Abwechslung und lässt mir daneben genug Freiraum für die Familie und für mich selbst.»

Mehr Verständnis für andere Blickwinkel

Im Notfallzentrum der Klinik St. Anna ist sie trotz ihres kleinen 20-Prozent-Pensums eine wichtige Mitarbeiterin mit viel Verantwortung. Dank ihrer Berufserfahrung und aufgrund der Tatsache, dass sie über einen Fähigkeitsausweis in klinischer Notfallmedizin (SGNOR) verfügt, ist sie als Oberärztin mit Schichtleitungsverantwortung bestens qualifiziert. Die Arbeit als Hausärztin habe sie in ihrer Rolle als Notfallmedizinerin positiv beeinflusst, glaubt Regina Herzog: «Heute kann ich Entscheide und Vorgehensweisen, wie sie von den Hausärztinnen und Hausärzten gewählt werden, viel besser nachvollziehen. Die Grundversorgung ist komplett anders getaktet. Als Hausärztin denke ich ganzheitlicher und längerfristiger, agiere in anderen Zeitfenstern und schaue aus anderen Blickwinkeln auf einen Patienten.»

Gleichzeitig profitiere sie als Hausärztin davon, mit einem Bein im Spital zu stehen. Der regelmässige, enge Austausch mit den Fachärztinnen und Fachärzten der Klinik St. Anna erweitere ihr Fachwissen laufend und nütze ihr beim schnellen, unkomplizierten Einholen einer Zweitmeinung oder bei der Zuweisung an die individuell passenden Spezialistinnen und Spezialisten. «Davon profitieren mit Sicherheit auch meine Patientinnen und Patienten.» Und natürlich habe die Arbeit auf dem Notfall auch den Effekt, dass sie bei gravierenden Fällen, wie sie auch in der Hausarztpraxis auftauchen, nicht allzu schnell nervös werde, sagt Regina Herzog lachend. Ach, und einen Vorteil dürfe man auf keinen Fall vergessen, fügt sie an: «Als Hausärztin, die gleichzeitig als Notfallärztin arbeitet, bin ich von der kantonalen Notfalldienstpflicht befreit.»

Trotzdem: Rein zeitlich betrachtet sei es keine leichte Aufgabe, zwischen Familie, Hausarztpraxis und Notfallzentrum die richtige Balance zu finden. Der Koordinationsaufwand sei beträchtlich. So mache sie als Teilzeit-Hausärztin beispielsweise viel ausführlichere Verlaufsdokumentationen, weil die Dinge auch an jenen Tagen klar sein müssen, an denen sie nicht vor Ort ist und man nicht schnell bei ihr nachfragen kann. Nicht selten bereitet sie ihre Patientenfälle zu Hause vor oder nach, wenn die Kinder im Bett sind. «Aber das ist in Ordnung. Das ist mein Stil, so mache ich meine Arbeit. Und so wie ich sie mache, mache ich sie sehr gerne.»

Die Klinik St. Anna sucht Notfallärztinnen und Notfallärzte

Sind Sie an der Arbeit in einem interdisziplinären Notfallzentrum interessiert, welches rund um die Uhr betreut ist und auch Herz- und Hirnschlagfälle betreut? Melden Sie sich bei uns! Wir bieten flexible Einsatzmöglichkeiten, auch für Hausärztinnen und Hausärzte, die in Teilzeit bei uns tätig sein möchten, sowie für Wiedereinsteiger- und Berufsumsteiger/innen. Internistische Berufserfahrung ist ein Muss, klinische Notfallerfahrung erwünscht. Frau Dr. med. Ursina Largiadèr, Chefärztin Notfallzentrum, freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme unter +41 41 208 33 44 oder an ursina.largiader@hirslanden.ch.

 

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