Schon Arthur Schopenhauer wusste «Der Schlaf ist für den ganzen Menschen, was das Aufziehen für die Uhr». Was also für den Denker Schopenhauer logisch schien, kann für unsere Kinder, vor allem für die ganz kleinen, sicherlich nicht schlecht sein. Nur ist das mit dem Schlaf nicht immer ganz so einfach. Aber fangen wir von vorne an.

Klein, laut und unvorhersehbar

Eins ist sicher, sind die Kinder noch klein, dreht sich in so ziemlich jedem Erwachsenenleben alles um deren Schlaf. Der grosse Traum vom Bébé, das schon kurz nach Geburt ohne grosses Tohuwabohu ruhig durchschläft ist – auch wenn die britischen Royals aktuell was anderes behaupten – die reinste Utopie und der eine oder andere daraus folgende Mini-Nervenzusammenbruch nicht mal so unüblich. Aktuell scheucht uns Kind 1, immerhin doch schon zweieinhalb Jahre alt, nachts mit Hunger- und Durstattacken durch die Wohnung. Bis Tage wieder Tage resp. Nächte wieder Nächte sind, kann es also eine Weile dauern. Was aber tun, wenn das Kind mal wieder nicht einschlafen möchte?

Wie uns die Routine das Leben erleichtert

Grundsätzlich haben meine Frau und ich die Erfahrung gemacht, dass die Kinder dann am besten schlafen, wenn der Tagesablauf fordernd und actionreich war. Zumindest ist das bei der Älteren so. Bei der Kleinen, auch wenn diese tagsüber nicht oft genug bespasst werden kann, kann eine Reiz- und Sinnüberflutung manchmal auch das Gegenteil auslösen und das abendliche Einschlafen wird zum nimmer enden wollenden Spiessrutenlauf. Um dem ein wenig entgegenzuwirken, war uns wichtig, schon möglichst früh gewisse Routinen einzuführen. Das bedeutet zum Beispiel täglich möglichst die gleichen Essenszeiten und Rituale wie gemeinsam Bilderbücher anschauen und kuscheln. Auch während eines letzten «Spaziergangs» in den heimischen vier Wänden auserwählten Gegenständen – jeden Abend den gleichen – eine gute Nacht zu wünschen, hat das Einschlafen der Kinder schon oft erleichtert. Auch haben wir, weil frische Luft angeblich gesund sein soll, zusätzlich noch eine Extrarunde auf dem Balkon eingelegt. Schöne Nebenwirkung: Kind 1 erspäht seitdem auch aus den hintersten Winkeln der Stadt den «Migros-Turm» am Zürcher Limmatplatz. Wenn das dann nicht mal zu einer erfolgreichen Orientierungsläuferinnenkarriere führen wird!

Bei den ganz Kleinen kann übrigens schon von Geburt an ein eigenes Bett in der Nähe der Eltern hilfreich sein. Das Baby wird sich schnell mit der Umgebung vertraut machen und so schon bald ohne grosses Einschreiten der Eltern nachts zurück in den Schlaf finden. Weitere Einschlaf-Klassiker sind Singen, Kind vor dem Zubettgehen baden und, in ganz extremen Fällen, nächtliches Autofahren. Bei Ersterem hat Kind 1 schon sehr früh mein Talent erkannt und nach dem Anstimmen der ersten Oktave erst recht geschrien. Kapiert habe ich das erst viel später, als Kind 1 während des Zubettsingens der kleinen Schwester anfing, lautstark mit «nei Papi, nid singe» zu protestieren. (An dieser Stelle ein grosses Sorry an meinen damaligen Musiklehrer Herrn Vogt, der dank meinen Gesängen vermutlich viele qualvolle Stunden im Musikzimmer verbringen durfte).

Was den Mythos Autofahren betrifft, können wir als Stadtbewohner und ÖV-Benutzer keine Erfahrungsberichte liefern. Im Freundeskreis wird die nicht ganz klimaneutrale Methode jedoch als wirksam bestätigt. Definitiv abgeraten hingegen sei vom Herumringen mit dem Kind sowie den neuesten, von Aktenzeichten XY präsentierten, Mordfällen, vor dem abendlichen Schlafengehen, da solche Aktivitäten das Kind eher hochschaukeln als beruhigen.

Kleinkinder schlafen nicht nur nachts

Während das Neugeborene tagsüber meist noch ziemlich ausgeknockt im Wagen oder Bettchen liegt – 18 Stunden Schlaf sind hier keine Seltenheit – entwickelt sich mit den kommenden Monaten schnell ein neuer Rhythmus und die Kinder benötigen immer weniger Schlaf. Wie viel davon jedes Kind braucht, ist individuell und die Herausforderung der Eltern ist, dies im Rahmen der jeweiligen Lebens-und Entwicklungsphase zu erkennen. Mit ca. einem Jahr reicht dann meist auch ein Mittagsschläfchen. Etwas, was vor allem mit «nur» einem Kind gut und einfach klappt. Irgendwann nämlich schläft es immer ein. Für einen geschäftigen Teilzeithausmann wie mich dann meist die erhoffte Ruhe vor dem nahenden Nachmittagssturm. Mann hat dann endlich auch Zeit für die etwas grösseren «unnützen» Dinge wie Küche und Bad putzen, die hausinterne Finanzbuchhaltung updaten oder Blogbeiträge wie diesen hier zu verfassen. Oft aber, habe ich mir nach getaner Arbeit selbst noch eine Pause gegönnt und mich dazugelegt, denn seit ich Vater bin, fangen die Tage schon in den frühsten Morgenstunden an. Dummerweise ist auch Kind 2 Extrem-Frühaufsteherin. Entsprechend bin ich mittags bereits ein erstes Mal stehend k.o.

Zwei Kinder schlafen selten gleichzeitig

Mit nun zwei kleinen Kindern ist das nicht mehr ganz so einfach. Die Jüngere (10 Monate) schläft derzeit kurz vor dem Mittagessen, meist noch beim Einkaufen oder Besuch des Kinderspielplatzes im Wagen ein. Die Ältere (2.5 Jahre) hingegen strapaziert aktuell lieber die Nerven von Papa und experimentiert mit Schlafentzug. Dass das mit dem Fortschreiten des Tages nicht gut kommen kann, muss an dieser Stelle nicht erwähnt werden. Somit sind Papas gemütliche Mittagsnickerchen bis auf Weiteres gestrichen.

Schwierig ist es im Moment auch mit der Nachmittagsplanung. Manchmal schläft die Grosse am späteren Nachmittag doch noch ein so wie letzthin bei einem Ausflug in den örtlichen Lebensmittelladen. Ich armer Tropf musste dann nebst Kinderwagen schieben und Wocheneinkäufe buckeln gleich auch noch die Ältere heimtragen. War das ein Krampf! Immerhin spare ich mir so das Geld für ein teures Fitness-Abo. An den Tagen zu zweit zu Hause, ist das zum Glück meist etwas einfacher. Die Kinder werden dann einfach aufgeteilt.

Schlafen unterwegs

Das Schöne am Kind sein ist ja bekanntlich, dass sie überall einfach mal so schlafen können und wollen. Unseren ist wichtig, dass es einigermassen kuschelig und warm ist. Der oft als störend geltende Lärm war bislang nie ein Problem. Es muss hier aber korrekterweise angefügt werden, dass die beiden vom Papa seit den ersten Lebenstagen mit wildem Freejazz, wütendem Hardcorepunk und anderem Krach ab Konserve in allen Lebenslagen beschallt werden. Das härtet scheinbar ab. Und sollten wir mal spät abends als Familie unterwegs sein, nehmen wir für ein allfälliges Schläfchen entweder den Buggy als Zweitwagen und/oder, je nach Destination und Örtlichkeit, eine Wolldecke mit. Das Pyjama wird dann meist auch gleich dazu gepackt. Grundsätzlich wäre es ja nicht schlimm, wenn die Kinder ausnahmsweise im Alltagstenue in die Heia gehen, aber Rituale sind eben Rituale.

Zauberwort: Geduld

Trotz Wolldecken, Ritualen und grosser Musiksammlung: Schwierige Einschlafphasen und schlaflose Nächte, ausgelöst durch u.a. Krankheiten oder Entwicklungsschübe, sind absolut normal. Hier soll man sich nicht zum Narren machen lassen und, so doof es auch klingt, einfach die Ruhe bewahren. Geduld ist ja generell ein Gut, das man mit Kindern mehr als nur vorrätig haben sollte. Und schlafen die Kinder irgendwann endlich durch, normalisieren sich auch die Nerven der Eltern wieder. Meistens jedenfalls.