Jedes Jahr erkranken in der Schweiz rund 6’500 Männer an Prostatakrebs. Damit ist Prostatakrebs die häufigste Krebsart bei Männern. Nach der Diagnose der Erkrankung stellt sich die Frage nach möglichen Behandlungsformen. Eine Behandlungsmöglichkeit ist die LDR-Brachytherapie, welche als schonend und sehr effizient gilt.
Die LDR-Brachytherapie ist eine weltweit anerkannte, besondere Form der Strahlentherapie und wird seit über 20 Jahren durchgeführt. Dabei wird der Prostatatumor von innen und aus kurzer Distanz behandelt. LDR steht für «low-dose-rate», was bedeutet, dass die radioaktive Strahlung mit einer niedrigen Dosisrate, dafür über eine längere Zeitspanne, abgegeben wird. Zum Bestrahlen werden radioaktive, etwa 5 mm lange und etwa 1mm dicke Titanstifte, sogenannte Seeds, in die Prostata eingeführt. Die Heilungschancen unter Anwendung der Brachytherapie bei Prostatakrebs stehen sehr gut.
Wie werden die Seeds in die Prostata eingesetzt?
Der Eingriff geschieht in Vollnarkose und wird in Steinschnittlage des Patienten durchgeführt. Zuerst wird die Ultraschallsonde in den Enddarm eingeführt. Unter sonographischer Kontrolle wird die Prostata durch den Urologen vermessen, um die Konfiguration und das Volumen zu bestimmen. «Anhand des Ultraschallbildes erzeuge ich ein dreidimensionales Modell der Prostata», sagt Strahlenphysiker Dr. Martin Staudacher. «Daraus berechne ich die Strahlendosis sowie die dazu nötige Anzahl der Seeds, die in die Prostata eingesetzt werden müssen». Je grösser die Prostata, desto mehr Seeds müssen implantiert werden.
Über eine Zielvorrichtung, die aussieht wie ein Koordinatensystem, werden anschliessend Hohlnadeln unter Ultraschallkontrolle durch den Damm in die Prostata eingeführt. «Dabei achten wir besonders darauf, dass die Prostata vollumfänglich behandelt und gleichzeitig die Bestrahlung der umliegenden Organe möglichst gering gehalten wird», so der Urologe Dr. Karim Saba, Belegarzt an der Hirslanden Klinik Aarau.
Das Einsetzen der Seeds dauert rund 2 Stunden und ist abhängig davon, wie komplex die Anatomie der Prostata ist. Beim Eingriff sind immer ein Urologe, ein Strahlenphysiker sowie ein Radioonkologe anwesend.
Nach dem Eingriff
«Der radioaktive Stoff hat eine Halbwertszeit von ca. 60 Tagen, das heisst, nach 60 Tagen ist nur noch die Hälfte der ursprünglichen Radioaktivität vorhanden» so Staudacher. Daher nimmt die Rate, mit der die Strahlendosis an das Gewebe abgegeben wird, mit der Zeit mehr und mehr ab. «Von therapeutischer Relevanz ist das erste halbe Jahr nach der Implantation.»
Etwa ein Jahr nach der Implantation ist die Radioaktivität in den Seeds dann so klein geworden, dass nur noch geringe zusätzliche Effekte zu erwarten sind. Die Seeds werden nicht entfernt und verbleiben dauerhaft im Körper. «Das ist völlig unproblematisch», sagt Dr. Staudacher. «Die Patienten spüren die Seeds nicht, diese verursachen keinerlei Beschwerden und sind nach wenigen Jahren auch nicht mehr radioaktiv».
Schmerzen
In der Regel haben die Patienten nach dem Eingriff keine Schmerzen. Wenige Patienten berichten nach dem Eingriff von einem Gefühl, ähnlich wie Muskelkater, im Bereich des Gesässes.
Beschwerden beim Wasserlösen
Da die Prostata beim Eingriff manipuliert wird, schwillt das Prostatagewebe an und kann auf die Harnröhre drücken, was das Wasserlösen erschweren kann. Diese Beschwerden lassen sich aber mit Medikamenten, sogenannten Alphablockern, gut behandeln. Durch die Einnahme der Alphablocker kann sich das Prostatagewebe wieder entspannen.
Kontakt zum Umfeld
In der Nähe des Patienten ist die Intensität der Strahlung sehr gering. Um höchstmögliche Sicherheit für Personen in unmittelbarer Nähe zu gewährleisten, empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit verschiedene einfache Vorsichtsmassnahmen, die der Patient für einige Monate beachten soll.
Kontinenz und Potenz
Die Therapie der Prostata kann zum Verlust des Samenergusses führen. Im Vergleich zu anderen Behandlungsmethoden wird die Potenz bei der Behandlung mittels Brachytherapie jedoch am wenigsten beeinträchtigt und hängt auch von der vorbestehenden Qualität der Erektionsfähigkeit ab. Das Erhalten der Potenz kann aber auch trotz sorgfältiger Durchführung der Brachytherapie nicht garantiert werden. Eine Inkontinenz hingegen kommt in den seltensten Fällen vor.
Körperliche Aktivitäten
Den Patienten wird nach dem Eingriff empfohlen, vier Wochen lang nicht Velo zu fahren und nicht zu reiten, da beide Aktivitäten den Dammbereich stark beanspruchen. Zudem wird von einem Aufheizen der Körpertemperatur (z.B. Saunabesuch) abgeraten.
Die LDR-Brachytherapie eignet sich nicht für alle Patienten
Ob die Brachytherapie bei einem Patienten angewendet werden kann, ist stark abhängig von den Eigenschaften des Tumors: Ist der Tumor wenig oder mittelmässig aggressiv, eignet sich die Brachytherapie als Behandlungsmethode. Bei aggressiven und/oder ausgedehnten Tumoren ist die Brachytherapie jedoch nicht geeignet. In Fällen mit hohem Risikoprofil wird eine operative Entfernung der Prostata oder die Perkutante Bestrahlung (Bestrahlung von aussen) in Erwägung gezogen. Dazu Dr. Karim Saba: «Die Wahl der Behandlungsmethode ist nicht nur abhängig vom Typ des Tumors, sondern auch von anderen Kriterien wie dem PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen), der Grösse der Prostata und allenfalls schon vorhandenen Beschwerden beim Wasserlösen.» Bei einem hohen PSA-Wert oder einer sehr grossen Prostata ist die Brachytherapie nicht die geeignete Behandlungsmethode. Auch wenn der Patient bereits vor der Behandlung grössere Beschwerden beim Wasserlösen hat, sollte der Krebs nicht mittels Brachytherapie behandelt werden. Diese kann das Wasserlösen nämlich zusätzlich erschweren.
Risiken des Eingriffs
Wie bei jeder Operation können allgemeine Komplikationen wie Blutungen, Infektionen oder Wundheilungsstörungen auftreten. Nach dem Eingriff kann es zu einer Schwellung oder Reizung der Prostata kommen, was das Wasserlösen nach dem Eingriff für den Patienten erschwert. «Diese Beschwerden lassen sich jedoch mit Medikamenten gut behandeln», erklärt Dr. Saba. «Insgesamt sind die Risiken bei diesem Eingriff gering.»
Wieso Brachytherapie?
Klarer Vorteil der Brachytherapie gegenüber der operativen Entfernung der Prostata ist der kurze Spitalaufenthalt, welcher jeweils nur 3 Tage dauert. Im Vergleich zu den anderen Behandlungsmethoden bei Prostatakrebs ist die Brachytherapie die schonendste für die Patienten. Im Gegensatz zur Perkutanten Bestrahlung (Bestrahlung von aussen) findet die Behandlung von innen mit niedriger Dosisrate, dafür über eine längere Zeit statt. Jedoch muss der Patient damit rechnen, dass das Wasserlösen nach dem Eingriff für gewisse Zeit Schwierigkeiten bereiten kann. Spätestens nach einem Jahr sind auch diese Beschwerden in der Regel verschwunden.
«Insgesamt sind die Heilungschancen unter Anwendung der Brachytherapie sehr hoch und liegen 5 Jahre nach der Behandlung bei etwa 90%», erklärt Dr. Saba. «Wir achten strikt darauf, dass die definierten Kriterien zur Durchführung der Brachytherapie erfüllt sind. Nur so kann man gute und für den Patienten erfolgversprechende Resultate erzielen.»
Erfahren Sie mehr rund um die Prostata: www.hirslanden.ch/prostata
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wird jedem patienten während der operation für die kommenden tage ein katheter gesetzt oder genügen die entsprechenden medis bei schwierigkeiten des wasserlösen in jeden fall?
wie oft kommt es nach einer seeds ops vor, dass im anschluss doch noch ein katheter gelegt werden muss?
wäre dafür eine intravenöse sedierung auf wunsch des patienten möglich?
vielen dank für ihre antwort
freundliche grüsse, erich haldimann
Sehr geehrter Herr Haldimann
Vielen Dank für Ihre Anfrage. Zur Durchführung der Brachytherapie ist die Einlage eines Blasenkatheters bei allen Patienten nötig. Dies geschieht unmittelbar vor dem Eingriff, wenn der Patient bereits in Narkose ist. Der Katheter dient zur genauen sonographischen Lokalisation der Harnröhre, damit die seeds korrekt und nicht zu nahe an der Harnröhre platziert werden können. Der Katheter wird am Tag nach der Operation wieder entfernt.
Da es nach der Brachytherapie zu einer leichten Schwellung der Prostata kommt, bekommen alle Patienten nach dem Eingriff einen alpha-Blocker. Dieses Medikament führt zu einer Relaxation (= Entspannung) der Prostata und unterstützt das Wasserlösen. Das Risiko, dass es nach der seeds-Implantation trotzdem zu einem Harnverhalt kommt und ein Blasenkatheter eingelegt werden muss, liegt bei etwa 1%.
Für die Einlage eines Blasenkatheters braucht es nur eine Lokalanästhesie, wobei mit einem speziellen Gleitmittel die Harnröhre unempfindlich gemacht wird. Eine intravenöse Sedierung ist nicht nötig.
Ich hoffe, Ihnen mit diesen Ausführungen gedient zu haben. Bei allfälligen weiteren Fragen stehe ich selbstverständlich jederzeit gerne zur Verfügung.
Freundliche Grüsse
Dr. med. Werner Hochreiter
Guten Tag.
wenn die Möglichkeit zur LBR besteht, wäre dann nicht das CyberKnife eine bessere, oder ebenbürtige Behandlungsmethode ?
Vielen Dank und Gruss
Bernd
Lösen sich die Seeds mit der Zeit und werden ausgeschieden?
Sehr geehrter Herr Rehbein
Vielen Dank für Ihre Anfrage. Die Seeds sind aus Metall (Titan) und mit Jod 125 radioaktiv geladen. Die Radioaktivität nimmt im Laufe von Monaten ab und ist nach ca. 1 Jahr soweit abgeklungen, dass sie keinen Effekt mehr auf das Gewebe macht. Die Seeds selbst lösen sich nicht auf und verbleiben in der Prostata, ohne dass sie irgendwelche Beschwerden bereiten.
Ich hoffe, Ihnen mit diesen Ausführungen gedient zu haben. Bei allfälligen weiteren Fragen stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung.
Freundliche Grüsse
Dr. med. Werner Hochreiter
Sehr verehrte Damen und Herren
mein Prostata ist 70 Milliliter gross ich habe gehört Prachytherapie darf nicht grösser als 50 Milliliter sein aber es kommt doch auch darauf an ob das Karzinom verzettelt ist oder konzentriert an einem kleinen Ort oder?
Für mich persönlich möchte eine Prachytherapie vorziehen.
Können sie mir dazu etwas sagen‘
Dankeschön und freundlichen Gruss Walter Nef
Sehr verehrte Damen und Herren
Ich möchte Sie fragen ob bei der Brachyterapie der
Prostata die große von 70 ccm definitiv zu groß ist?
Dankeschön
Freundlichen Gruss Walter Nef
Sehr geehrter Herr Nef
Vielen Dank für Ihre Anfrage. Das Prinzip der LDR-Brachytherapie ist ein «whole-gland-treatment». Das bedeutet, dass die gesamte Prostatadrüse mit seeds bestückt wird, um alle Prostataanteile mit der therapeutisch ausreichend hohen Strahlendosis zu behandeln. Bei der Prostatabiopsie wird häufig nur Karzinomgewebe in bestimmten Arealen festgestellt. Die Frage, ob es somit nicht ausreicht, nur die betroffenen Zonen zu behandeln, ist berechtigt. Dies wird als «focal treatment» bezeichnet. Allerdings gibt es zahlreiche Studien zur radikalen Prostatektomie, die zeigen, dass bei der histologischen Untersuchung der Prostata in bis zu 40% der Fälle Tumorherde an anderen Stellen gefunden werden, die bei der Biopsie nicht erfasst wurden. Aus diesem Grund führen wir keine «fokale» Brachytherapie durch.
Bei einer Grösse von 70 ml liegt die Prostata teilweise hinter den Beckenknochen, weshalb eine korrekte Platzierung der seeds in der gesamten Prostata nicht möglich ist. In diesen Fällen gibt es aber die Möglichkeit, die Prostata durch eine 3-monatige antihormonelle Behandlung zu verkleinern, so dass die Brachytherapie dann durchgeführt werden kann.
Falls Sie Interesse haben, können wir Ihre Situation gerne im Rahmen eines Gesprächs und Untersuchung genauer analysieren.
Freundliche Grüsse
Dr. med. Werner Hochreiter
Guten Tag
Ich bin am rechechieren der Risiken von Brachitherapie betreffend Zweittumoren in Enddarm und nahegelegen Organen.
Mein Vater hatte sich im 2008 mit Brachitherapie wegen Prostatakrebs behandeln lassen. Diese Therapie war damals erfolreich und wir fanden es als sanfte Therapie.
Nun wurde bei ihm im 5/2020 ein sehr agressives wenig differenziertes neuroendokrines Karzinom im Endarm / Darmausgang diagnostiziert. Auch wurden bereits Metastasen in der Leber festgestellt.
Leider konnte man infolge der verbleibenden Seeds anscheinend nicht bestrahlen. Eine palliative Chemotherapie/ Immuntherapie drängte das Karzinom zurück. Im Juli 2021 wurden jedoch Hirnmetastasen festgestellt und mein Vater ist trotz Bestrahlungen leider Ende Sept.2021 gestorben.
Mein Verdacht liegt bei der Brachitherapie , da der Zweittumur sehr nahe bei den Seeds liegt. Diese sind ja radioaktiv und strahlen ewig ( Halbwertszeit).
Zu den Erfolgen einer Therapie werden ja immer die 5 Jahres Überlebensraten angegeben. Diese sagen ja sehr wenig aus. Nur, ob man nach 5 J. lebt , nicht ob man krebsfrei ist und sowieso nicht wie es nach 10-15 Jahren aussieht.
Ich hätte 2 Fragen:
-Ist eine Bestrahlung von aussen wirklich nach Brachitherpie nicht mehr möglich, falls man einen Zweittumor nahe der Seeds bekommt?
– Gibt es Studien zu Zweittumoren nach Brachytherapie gegenüber konventioneller Bestrahlung?
Mir ist bewusst , dass jede Therapie evt auch krebserregend ist. Aber was wäre besser gewesen…
Leider können wir nicht mehr entscheiden , aber es lässt mir keine Ruhe.
Besten Dank für ihre Antwort.
Eine Frage: Ab wann darf ich nach einer Seed-Brachytherapie wieder anal penetriert werden? Besteht die Gefahr, dass sich die Seeds verschieben, wenn der Parner eindringt?