Heute weiss man, dass Schwangere bis zur Geburt und in der Stillphase 10% der Knochenmineralien verlieren. Vorbeugung und Kontrolle des Vitamin-D-Spiegels ist deshalb sehr empfehlenswert.

Die gute Zahngesundheit und zahnärztliche Betreuung hat die alte Volksweisheit «Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn» zwar nichtig gemacht. Doch durch den erhöhten Mineralbedarf – das Kind im Bauch nimmt sich alles ohne zu fragen – verlieren Schwangere massiv an Mineralien aus dem Knochen. Dies macht bis zu 10%  des Ausgangswertes aus. Obwohl nach der Stillphase der Wiedereinbau von Mineralien vorübergehend erhöht ist, sollte vermehrt auf diesen Aspekt geachtet werden. Denn jeder Mineralverlust des Knochens mindert die Knochenfestigkeit und begünstigt im Alter die Bildung einer Osteoporose (Knochenschwund) .

Achten Sie auf Ihre Knochen genauso selbstverständlich wie auf Ihre Zähne.

Neben einer ausgewogenen mineralreichen Ernährung und Einnahme von Nahrungsergänzungspräparaten mit Eisen, Mineralien, Folsäure und anderem sollten Sie und Ihr Gynäkologe dem Vitamin-D-Spiegel Beachtung schenken. Ich lasse bei allen von mir betreuten Schwangeren anlässlich der ersten Kontrolle zusammen mit immunologischen Untersuchungen auch das Vitamin D  bestimmen. Dabei habe ich ernüchternde Erfahrungen gemacht: Die Vitamin-D-Spiegel bewegen sich auf sehr tiefem Niveau (Vitamininsuffizienz, oft sogar ein Mangel), was den Knochenaufbau massiv reduziert. Verminderter Knochenaufbau und «Mineralienklau» durch den Föten führen zu eingangs erwähnter Situation inkl. stark erhöhtem Risiko einer Osteoporose.

Sonne und regelmässig «fetter» Fisch im Menüplan sind als Vitamin-D-Lieferant optimal, reichen jedoch oft nicht.

Die Sonnenexposition ist bezüglich Vitamin-D-Spiegel sicher günstig, wovon Schwangere im Sommer profitieren, wobei dies alleine meist nicht ausreicht. Deshalb ist im Menüplan regelmässig «fetter» Fisch schmackhaft und gesund, reicht jedoch meistens auch nicht für einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel.

Sprechen Sie Ihren Gynäkologen auf dieses wichtige Thema an, damit Sie nicht durch die Schwangerschaft/Stillzeit in jungen Jahren Ihre Knochenreserven mindern und damit zu Beginn der Wechseljahre wenig «Knochenreserve» haben. Osteoporose ist bei Frauen nach Eintritt der Menopause (Ausbleiben der Periode infolge Rückgangs der Hormonbildung in den Eierstöcken) ein häufiges Problem und die häufigste Ursache im Pflegeheim zu landen, werden doch dadurch die Knochen schwächer brechen leichter. Oft empfehle ich deshalb meinen Patientinnen während der Schwangerschaft und Stillzeit trotz Sonne und gesunder Ernährung Vitamin D in Tropfenform in individuell verordneter Dosis zu nehmen.

Durch Kontrolle des Vitamin D Spiegels – einfach und günstig – erkennen Sie, ob eine Vitamin-D-Einnahme nötig sein kann. Wichtig ist, dass Mütter in der Schwangerschaft das Beste für das Ungeborene machen und auch für die eigene Gesundheit vorausschauend Sorge tragen.

Dr. Reto Stoffel
Frauenarzt /Senologe SGGG