Die Schweizerische Diabetes-Gesellschaft gibt an, dass ca. 10-20% aller Schwangeren während der Schwangerschaft einen sogenannten Schwangerschaftsdiabetes entwickeln. Direkt nach der Geburt verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes wieder. Doch 25-50% genau dieser Frauen entwickeln später einen Diabetes Typ-2* und auch für das Baby kann er Folgen haben. Rund eine halbe Million Menschen in der Schweiz sind an Diabetes erkrankt.* Im folgenden Beitrag erfahren Sie, wie man Schwangerschaftsdiabetes feststellt, behandelt und vorbeugt.

Bei kaum einer anderen Krankheit können Betroffene derart viel Einfluss auf den Erfolg der Behandlung nehmen wie beim Diabetes. Aber: Selber merkt man nichts von dieser Erkrankung. Es ist daher wichtig, dass Sie oder Ihre Partnerin sich mit den Grundprinzipien einer Diabetes-Prävention vertraut machen.

Wie teste ich Schwangerschaftsdiabetes?

Gehen wir davon aus, dass die Schwangere keinen Diabetes in der Familie hat oder hatte, dann wird in der 24.-28. Schwangerschaftswoche getestet, ob bei ihr ein erhöhtes Risiko auf Schwangerschaftsdiabetes vorliegt. Dabei muss auf nüchternen Magen eine Zuckerlösung getrunken werden. Nach einer und nach zwei Stunden werden die Werte anhand Blutabnahme gemessen.

Ärzte sprechen von Schwangerschaftsdiabetes, wenn der Blutzucker höher ist, als in der Schwangerschaft optimal wäre. Der Schwangerschaftsdiabetes oder Gestationsdiabetes (GDM) ist einer von vier Diabetes-Haupttypen. Dabei werden folgende Werte als „Grenzwerte“ bezeichnet:

  • Morgens vor dem Essen: 5.1 mmol/l
  • 1 Stunde nach dem Trinken der Zuckerlösung: > 10 mml/l
  • 2 Stunden nach dem Trinken der Zuckerlösung: > 8.5 mmol/

Diese Grenzwerte sind niedriger als für die Diagnose eines Diabetes ausserhalb der Schwangerschaft. Weiter anzumerken ist, dass sie heute tiefer angesetzt sind als bis vor einigen Jahren. Prof. Dr. Schultes aus dem eSwiss Medical & Surgical Center merkt dazu an, dass man bei wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt hat, dass ein erhöhter Blutzuckerwert einen direkten Einfluss auf den Schwangerschaftsverlauf und das Baby haben kann. Daher ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt vom Gynäkologen jeweils Informationen über die Ergebnisse der Ultraschalluntersuchungen wie den Bauchumfang des Babys erhält. In einer sogenannten Perzentilen-Kurve wird der Verlauf eingetragen. So kann der behandelnde Arzt Ihren Schwangerschaftsdiabetes besser verfolgen und rechtzeitig mit Massnahmen (siehe weiter unten) eingreifen.

Schwangerschaftsdiabetes geht ja wieder vorbei, welchen Einfluss kann er haben?

Diabetes ist eine Störung des Zuckerstoffwechsels. Während der Schwangerschaft kommt es aufgrund verschiedener Schwangerschaftshormone zum Anstieg des Blutzuckers. Der Blutzucker dient dem Körper als Energie. Damit der Blutzucker wieder gesenkt wird, produziert der Körper Insulin. Bei einem Diabetes ist der Körper nicht fähig genügend, dieses Hormons, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, zu produzieren. Ist der Blutzucker bei der Schwangeren erhöht, ist er auch im Blut des ungeborenen Babys erhöht. Dann kommt die Kettenreaktion: Auch der Körper des Babys schüttet mehr Insulin aus. Dieses Insulin kann jedoch die Plazenta nicht passieren. Daher wächst das Baby schneller und wird schwerer als gewöhnlich.

All diese Faktoren können zu einem erschwerten Geburtsvorgang führen und beim ungeborenen Baby bereits einen Einfluss auf dessen Stoffwechselsystem haben: Es kann zu einer Unterzuckerung nach der Geburt kommen und das Risiko für Diabetes oder Übergewicht ist erhöht. Und, auch die Mutter kann mit fortschreitendem Alter an Diabetes erkranken.

Ich habe Schwangerschaftsdiabetes: Welche Behandlungen gibt es?

Ein bisschen Bewegung ist nie verkehrt, dies in Absprache mit Ihrem Gynäkologen und gemäss Ihrem jeweiligen Fortschritt der Schwangerschaft. Aber zur Abwechslung mal zwei oder drei Busstationen zu Fuss gehen anstelle zu fahren, kann schon einen positiven Einfluss haben.

Achten Sie auch auf Ihre Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel müssen Sie zukünftig meiden und Ihre tägliche Routine etwas umstellen. Setzen Sie sich dazu mit einer Ernährungsberaterin zusammen. So sollten Sie zum Beispiel besser Vollkornprodukte anstelle von Weissmehlprodukten essen, auf gesüsste Getränke verzichten und kleinere, dafür mehrere Mahlzeiten über den Tag hinweg geniessen. Vielfach frühstücken Schwangere viel zu viel, hier kann man die Kalorienzufuhr bereits ein wenig einschränken.

Ihr Arzt überwacht Ihren Blutzuckerwert während der Schwangerschaft. Beim eSwiss Medical & Surgical Center in St. Gallen sitzen die Fachspezialisten (zusammengesetzt aus Diabetologen, Ernährungsberatern und Diabetesberatern) zwei Mal in der Woche zusammen und besprechen die Werte ihrer Patientinnen mit Schwangerschaftsdiabetes. Die Werte werden, nach Instruktion durch das Beratungsteam, von den Schwangeren selber gemessen, in ein Tagebuch eingetragen und einmal in der Woche via Fotoaufnahme und Smartphone an die Ärzte gesandt. Verändern sich die Werte zu Ungunsten von Frau und Baby, meldet sich das Beratungsteam bei der Patientin und bespricht weitere Massnahmen.

Erst als letzter Schritt kann es zu einer Verordnung einer Insulin-Therapie kommen. 70% seiner Patientinnen bräuchten kein Insulin, und wenn, dann reiche es oft aus, einmal pro Tag ein Langzeitinsulin zu spritzen, so Prof. Dr. Schultes. Sollte dies nicht reichen, muss vor jeder Mahlzeit ein kurzwirksames Insulin gespritzt werden. Laut den Ärzten haben die Patientinnen selten bis nie Angst vor dem Setzen einer Spritze – weil sie wissen, dass es zu Gunsten von ihnen und ihrem Baby ist.

Nach der Geburt

Mit dem Ausstossen der Plazenta verschwindet normalerweise auch der Schwangerschaftsdiabetes. Ein Nachtest 6 bis 12 Wochen nach der Geburt wird aber empfohlen. Doch die Tatsache, dass Sie Schwangerschaftsdiabetes hatten, kann auf eine Veranlagung für die Entwicklung eines Diabetes hindeuten. Beim eSwiss Medical & Surgical Center rät man daher, jährliche eine Kontrolle durchzuführen.

Kann man Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen?

Ja, kann man! Indem man schon vor der Schwangerschaft eine gesunde Ernährung und genügend Bewegung anstrebt. Damit beugen Sie vor, selber an Diabetes zu erkranken. Bevorzugen Sie beispielsweise bei der Auswahl von Lebensmitteln solche mit einem hohem Ballaststoffanteil: (Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Hülsenfrüchte, Naturreis, Müsli), diese sättigen länger.

Unter nachfolgendem Link können Sie herausfinden, ob Sie für Diabetes im Generellen gefährdet sind: www.diabetesgesellschaft.ch/diabetes/risikotest/


Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit dem eSwiss Medical & Surgical Center in St.Gallen erarbeitet. Herr Prof. Dr. med. Schultes und seine Kollegen behandeln pro Jahr über 50 Schwangere mit Schwangerschaftsdiabetes.

* Laut Angaben auf diabetesschweiz.ch