Als (werdende) Eltern ist der Alltag oft ein Stückchen stressiger als davor, sei dies durch die Säuglingspflege, den Mehraufwand im Haushalt oder die Herausforderungen, unterschiedliche Rollen unter einen Hut zu bringen. Der neue Stress beeinflusst auch die Kommunikation in der Partnerschaft. Nachfolgend einige Tipps, wie Sie Ihren Partner auch in dieser Phase besser verstehen und unterstützen können.

Stress wird als Ungleichgewicht zwischen den eigenen Ressourcen (z.B. Flexibilität, ausreichend finanzielle Mittel, Ausgeglichenheit, Zeit) und den Anforderungen (z.B. Erwartungen von anderen, Bedürfnisse des Kindes, Partnerschaft, Haushalt, Freunde) definiert. Junge Eltern erleben besonders häufig Stress, da die Bedürfnisse eines Kindes rasch wahrgenommen und anschliessend befriedigt werden und die eigenen Bedürfnisse im Gegensatz dazu zurückgestellt werden müssen.

Kommunikationsregeln können helfen

Dieser Stress kann sowohl für die Einzelperson als auch das (Eltern-)Paar negative Konsequenzen haben. Ein Bereich, der sich unter Stress besonders verändert und einen grossen Einfluss auf die Beziehung zwischen den Partnern hat, ist die Kommunikation. Denn unter Stress werden Intoleranz oder Ungeduld eher gezeigt, was die Entstehung von Diskussionen oder Streit begünstigen kann. So kann es in Diskussionen rasch hitzig zu und her gehen und die nötige Sachlichkeit und Ruhe wird oft nicht mehr gewahrt.

In solchen Situationen kann es hilfreich sein, Kommunikationsregeln anzuwenden: Eine klare Trennung zwischen Sprechen und Zuhören bildet die Grundlage. Dies hilft, dass die Partner sich gegenseitig nicht ins Wort fallen, sondern sich zuhören und aufeinander eingehen.

Sprecherregeln

Sprecherregeln Sinn der Regeln
Konkretheit: Bleiben Sie bei einer konkreten Situation und bei einem konkreten Verhalten.
z.B. „Als wir gestern Abend zusammen gegessen haben, …“
Verhindert allgemeine Aussagen wie „immer“, „schon länger“ oder „schon wieder“.
Ich-Bezug: Schildern Sie Ihrem Partner/Ihrer Partnerin den Sachverhalt oder die Situation aus Ihrer eigenen, persönlichen Perspektive.
z.B. „Für mich ist es unangenehm, wenn ….“
Verhindert Vorwürfe und Angriffe.
Man bespricht hier die EIGENE Sicht und referenziert nicht auf andere (also z.B. Sätze wie „Meine Freundinnen finden auch, dass du…“ oder „Auch meine Mutter ist der Ansicht, dass …“ ) und vermeidet Vorwürfe wie „DU hast gestern auch …“
Mitteilung von Gefühlen/Bedeutungen: Versuchen Sie zu schildern, was die Situation für Sie bedeutet und was für Gefühle Sie damit verbinden.
z.B. „Das hat mich traurig gemacht, ich fühlte mich einsam und verlassen.“
Ermöglicht es dem Zuhörer, den Sprecher zu verstehen und dessen Gefühle nachzuvollziehen.

Zuhörerregeln

Zuhörerregeln Sinn der Regeln
Interessiertes und aktives Zuhören: Schauen Sie Ihren Partner/Ihre Partnerin an, wenden Sie sich ihm/ihr zu und zeigen Sie durch Nicken, dass Sie zuhören. Zeigt dem Sprecher, dass das Gesagte interessant ist und dass die Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet ist.
Zusammenfassen: Wiederholen Sie, was Ihr Gegenüber gesagt hat.
z.B. „Wenn ich dich richtig verstanden habe, beschreibst du die Situation gestern Abend als…“
Der Zuhörer kann überprüfen, ob er alles richtig verstanden hat. Gleichzeitig kann der Sprecher nachdenken und gegebenenfalls nochmals richtigstellen, was ihm wichtig erscheint.
Offene und interessierte Fragen stellen: Stellen Sie „W-Fragen“, die mit wie, wo, wer, was, warum beginnen.
z.B. „Was meinst du genau mit …?“
Hilft dem Sprecher, weitere Aspekte der Situation zu hinterfragen. Hilft dem Zuhörer, weitere Informationen zu erhalten.

 

Setzen Sie diese Regeln bewusst ein, auch wenn sie am Anfang vielleicht künstlich wirken.

Am Anfang wirken diese Regeln vielleicht künstlich. In Studien hat sich jedoch gezeigt, dass sie helfen können, auch heikle Themen sachlich zu besprechen. Insbesondere das Sprechen über Gefühle und die wohlwollenden Fragen helfen, mehr über den Partner und sein aktuelles Befinden zu erfahren. Dadurch können sich die Gesprächspartner besser verstehen und angemessen unterstützen.

Nehmen Sie sich Zeit für einen Austausch mit Ihrem Partner / Ihrer Partnerin (Lesen Sie dazu unseren Blogbeitrag „Vom Paar zur Familie – Zeit auch als Paar erleben“). Denn eine gute Kommunikation in der Partnerschaft ist eine Voraussetzung, um als Paar ein „Wir-Gefühl“ zu entwickeln respektive aufrechterhalten zu können. Zudem ermöglicht der Austausch über Sorgen, Pläne und Wünsche beiden Partnern, sich weiterzuentwickeln und sich auch in dieser anspruchsvollen Phase gegenseitig zu unterstützen.

Konflikte sind natürlich

Es ist natürlich, wenn (trotzdem) Uneinigkeiten und Konflikte in der Partnerschaft auftreten. Gerade in dieser neuen Phase, welche viele neue Aufgaben und Anforderungen beinhaltet. Die Kommunikationsregeln können Ihnen helfen, Uneinigkeiten zu klären. Sollte es dennoch zu einem (lauteren) Streit kommen, versuchen Sie, den Konflikt nicht vor Ihrem Kind auszutragen. Studien haben gezeigt, dass Kinder physisch und psychisch mit Stresssymptomen reagieren können, wenn sie häufig destruktiven Konflikten ausgesetzt sind. Zudem profitieren Kinder auch vom Vorbild einer guten Kommunikation zwischen den Eltern.

Nützliche Informationen und Kurse zum Thema Kommunikation in der Partnerschaft finden Sie auch auf www.paarlife.ch, ein nicht-kommerzielles Angebot der Universität Zürich.