Ich schreibe diesen Beitrag heute über diesen zweiten roten Strich auf jedem Schwangerschaftstest, der in mir schon eine Vielzahl an Gefühlen auslöste.

Die Anzeichen waren klar, aber es konnte einfach nicht sein, denn ich war doch erst 18 Jahre alt. Es durfte nicht wahr sein, dass ich kurz vor den Sommerferien wirklich schwanger wurde. Mir war schlecht, mir war schwindelig und ich fühlte mich sehr müde. Lange ignorierte ich diese Anzeichen, da ich dachte, das geht bestimmt wieder weg.

Und dann kam dieser Tag in der Schule, als ich in der 10-Uhr Pause das Schulgelände verliess und in die Apotheke ging. Mit einem Vorwand wie «Ich brauche für ein Joke-Geburtstagsgeschenk meiner Mutter einen Schwangerschafttest» holte ich mir also dieses fremde, ultrateure, weisse Stäbchen und hetzte zurück ins Mädchen-Klo der Schule. Das Stäbchen ausgepackt, verwendet und dann war er da:

Der verdammte zweite rote Strich, der nicht da sein sollte.

Ich ging zum Klassen-Lehrer und entschuldigte mich für den Rest des Tages wegen starken Regelschmerzen und begann zu telefonieren. Zehn Tage später war ich nicht mehr schwanger. Dafür waren jetzt Sommerferien und das Leben ging einfach so weiter.

Die Entscheidung, welche ich mit 18-Jahren getroffen hatte, inmitten meiner Lehre zur Informatikerin, inmitten einer stressigen hormon-erfüllten Phase meines Lebens, habe ich fast nie bereut. Die ersten fünf Jahre nach dem «Akt» war es einfach kein Thema und es war für mich stimmig.

Als dann aber meine Mutter starb, als ich 23 Jahre alt war, kam das schlechte Gewissen und klopfte an die Türe. Wie ein nervender Telefon-Verkäufer liess sich mein Gewissen nicht mehr abschütteln. Ich musste mir zugestehen, dass ich es verpasst hatte, meine Mutter zur Oma zu machen. Es meldeten sich natürlich auch andere Hirn-Regionen, auch der Bauch wollte mir mitteilen dass es „im Fall Okay“ war. Der Verstand klopfte mir auf die Schulter und sagte «Du würdest es wieder tun». Es folgten ein paar Monate in einem Strudel von schlechtem Gewissen, Psychotherapie und zahlreichen Gesprächen, bis die Entscheidung in mir viel: «Ich will niemals Kinder.»

Am Argovia-Fest ein paar Jahre später traf ich dann einen Mann. Er kam mit seiner Kamera bewaffnet ins Zelt und mich erschlug eine Welle von Gefühlen. Das war wohl Liebe auf den ersten Blick! Es fühlte sich alles so bekannt und vertraut an. Wir trafen beide die Entscheidung, uns füreinander zu entscheiden, was eine gewisse Zeit und etliche Gespräche brauchte. Doch ich wusste vom ersten Tag an, dieser Mann, der da in mein Zelt gelaufen kam, wird mein Ehemann und er wird der Vater meiner Kinder.

Drei Jahre nachdem unsere traumhafte Beziehung gestartet war, starteten wir gemeinsam die Reise «Wir wollen ein Kind». Bewusst entschieden, obwohl wir uns nicht wirklich vorstellen konnten, wie es denn so sein könnte. Auf unserer zwölfwöchigen Reise dann wollten wir ganz locker das Thema angehen und waren wohl so entspannt, dass unsere Tochter beim Nachhause-Flug dann schon mit dabei war. Denn in einem Hotel-Zimmer in Hongkong, zwölf Jahre nach meinem letzten Schwangerschaftstest, war er wieder da:

Der verdammt tolle rote Strich, der unbedingt da sein sollte!

Mit einem Strahlen kamen wir in Zürich an und nach der Reise fragten mich alle «Na? Wie war denn die Reise? Siehst auf alle Fälle entspannt aus!» Ich so: «Ja, ich, habe ja auch allen Grund zum Strahlen, nach solch tollen Ferien.»  Wie praktisch doch so eine Reise ist!

Übrigens: Unsere Tochter Elisa erhielt ihren Namen bereits vier Jahre vor ihrer Geburt. Wir hatten einmal während einer Autofahrt über Kindernamen diskutiert und uns da schon für diesen Namen entschieden. Wie praktisch!