In den ersten drei Lebensjahren eines Kleinkindes werden im Schnitt 6’500 Wegwerfwindeln benötigt. Das ergibt im Laufe des Wickelalters einen Windelberg von über einer Tonne pro Baby. Es geht aber auch anders – mit Stoffwindeln.

Stoffwindel ist nicht gleich Stoffwindel

Ich erinnere mich, dass meine jüngere Schwester Mitte der 80er-Jahre noch mit Stoffwindeln gewickelt wurde. Damals waren es noch grosse, viereckige Stofflappen. In die Mitte wurde eine Gaze eingelegt und das Ganze zusammengewickelt. Die Stoffwindeln von heute haben nur noch wenig mit den damaligen Stofflappen zu tun. Sie sind mit Druckknopf oder Klettverschluss versehen, dicht, bunt, umweltfreundlich, günstig und ohne Chemie.

Politische Unterstützung

Noch in der Schwangerschaft war ich überzeugt, dass ich unseren Sohn mit Stoffwindeln wickeln möchte. Eine Freundin aus England hat mich auf die Stoffwindeln aufmerksam gemacht. Für sie völlig normal. In England wird die Verwendung der Stoffwindeln mit verschiedenen Programmen und Aktionen von der Regierung gefördert.

Stoffwindeln zum Kennenlernen

Ich habe mir also ein kleines Kennenlern-Set an Stoffwindeln bestellt. Und davon gibt es eine ganze Menge im Internet: Totsbots, Hu-da, Blueberry Swaddlebees, Gnappies, Close Pop-in, Bumgenius und so weiter und so fort. Ich habe einfach eine Sorte bestellt, denn die konnten ja nicht so unterschiedlich sein – ich wurde eines Besseren belehrt.

Die Stoffwindelparty

Bereits nach wenigen Anläufen habe ich wieder aufgegeben. Die Windeln sassen nicht richtig und sie liefen aus. Es war irgendwie doch einfacher mit den Wegwerfwindeln. Bis ich dann die Einladung zu einer Stoffwindelparty erhielt: Sechs Mamis, ein Papi – und sieben Babys am Krabbeln, Sabbern, Schlafen, Weinen oder einfach nur Zuschauen.

Fabienne Anghel, die Initiantin der Stoffwindelparty und Gründerin von «Windelzauber» hat uns über die verschiedenen Windelmarken und Wickelarten aufgeklärt. Es gibt viel zu beachten: Welches ist der richtige Stoff für mein Baby? Baumwolle oder Bambus? Welche Marke braucht zusätzlich Einlagen und welche nicht? Wieviel kostet eine Erstausstattung? Welche Windel eignet sich für das Tragen in der Nacht? Wie wasche ich die Stoffwindeln richtig, damit es auch hygienisch ist? Fabienne Anghel hatte auf alle Fragen eine Antwort. Übrigens: Kinder mit Stoffwindeln werden üblicherweise früher trocken.

Umweltbilanz

Kritiker von Stoffwindeln mögen einbringen, dass durch den Verbrauch von Wasser, Energie und Waschpulver die Umwelt nicht viel stärker geschont wird. Hierzu eine Übersicht zum Ressourcenverbrauch:

  Stoffwindeln Wegwerfwindeln
Wasser Ein Waschgang (5kg Trockenwäsche) in einer neueren Waschmaschine verbraucht ca. 60 Liter Wasser (ohne Vorwäsche). 6 Stoffwindeln inkl. Einlagen ergeben ca. 1kg Trockenwäsche, Wasserverbrauch pro Windel also ca. 2 Liter. Der Frischwassereinsatz für 1 Tonne Zellstoff liegt heute bei modernster Technologie bei 55 m3 (55.000 Liter). Wasserverbrauch pro Windel (nur Zellstoff): ca. 2.8 – 4.2 Liter.
Abfallaufkommen Das Gewicht eines Wickelsets beträgt nach 2,5 Jahren Dauereinsatz rund 5kg. Diese sind für weitere Babys oder zumindest für Reinigungszwecke weiter verwendbar. Die Abfallmenge ist deshalb kaum nennenswert. Im Laufe eines Wickelalters fällt pro Baby ein Windelberg von 1 bis 1.5 Tonnen an.
Energie Ein Waschgang (5kg Trockenwäsche) verbraucht in einer modernen Waschmaschine bei 60° 1,6 – 1,7 KW. In 5kg Trockenwäsche passen ca. 30 Stoffwindeln inkl. Einlagen. Das gibt pro Windel elektrische Energie von ca. 0.053-0.056 KW/h Dank modernster Zellstofferzeugung wurde der Energieverbrauch stetig reduziert. Zellstofferzeugung: 0.035 KW/h. Elektrische Energie für Chemikalien: 0.007 KW/h. Thermische Energie: 0.013 KW/h. Zusätzlich: Energieaufwand für PE-Folie, Windelerzeugung und Hydrogel. Das ergibt total mind. 0.055 KW/h

Quelle: http://www.vallemonte.ch/stoffwindeln/umweltbilanz/index.html

Stoffwindeln sind günstiger

Unter dem Strich ist die Verwendung von Stoffwindeln deutlich günstiger. Es kommt aber auf verschiedene Faktoren an, wie das Trocknen mit oder ohne Tumbler, das Alter der Waschmaschine oder die Kosten für das erste Stoffwindelset. Je nach Wegwerfwindel (Ökowindel, Pampers oder Billig-Linie) kann die Ersparnis zwischen CHF 500.- und 3’100.- ausmachen. Stoffwindeln können zudem noch für weitere Kinder benutzt werden, so dass die Ersparnis effektiv weit höher liegt.

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