Die Klinik Belair hat im März als erste Hirslanden Klinik die Zertifizierung für ihr Umweltmanagement nach ISO 14001:2015 erhalten. Das bedeutet, dass die Klinik den Nachweis für eine nachhaltige und ökologische Betriebsführung erbracht hat. Ökologische Grundwerte haben in der Klinik Belair bereits eine langjährige Tradition. Warum braucht es nun also noch eine Zertifizierung? Und was bedeutet diese konkret im Klinikalltag? Ivan Gattlen, Leiter Nachhaltigkeit, Energie, Gebäudetechnik der Hirslanden-Gruppe und Uwe Meier, Verantwortlicher für das Umweltmanagement in der Klinik Belair geben Auskunft.

Ökologische Grundwerte sind in der Klinik Belair schon lange ein wichtiger Treiber für ihr Umweltmanagement. Weshalb nun der Schritt zur ISO-Zertifizierung?

Uwe Meier: Wenn man sich konkrete und verbindliche Ziele für eine kontinuierliche Verbesserung setzt, fördert dies die Umsetzung. Die ISO-Zertifizierung bietet die entsprechenden Voraussetzungen und den Rahmen dazu.

Die Überprüfung im Rahmen des ISO-Audits zeigt uns nun auf, dass wir bezüglich Nachhaltigkeit auf dem richtigen Weg sind. Wie sich bereits bei ISO 9001 gezeigt hat, ist eine laufende interne und externe Überprüfung von Abläufen und Strukturen ein effizientes Werkzeug, um sich kontinuierlich zu verbessern. Diesen Ansatz streben wir auch im Umweltmanagement an. Weiter ermöglicht das Zertifikat, Lieferanten und Partner zu verpflichten, ihrerseits auf nachhaltige Produkte zu setzen.

Ivan Gattlen: Wir sind als Hirslanden Gruppe kein Kleinunternehmen mehr und haben mit über 8000 Mitarbeitenden auch eine Auswirkung auf die Umwelt. Als Firma in dieser Grösse ökologische Verantwortung zu übernehmen sollte heute Standard sein. So gehört Nachhaltigkeit auch zur Strategie unserer Muttergesellschaft Mediclinic, welche schon über 40 Kliniken nach ISO 14001:2015 zertifiziert hat.

Dazu kommt die Kostenersparnis: Diese tritt automatisch auf, wenn man zum Beispiel genau überprüft, wo man überhaupt wie viel Energie verbraucht und durch eine Umstellung auf andere Techniken oder Betriebsarten sparen könnte. Die Erstellungskosten von Gebäuden und technischen Einrichtungen machen auf den gesamten Lebenszklus berechnet nur etwa 20% aus. Das grosse Geld wird dann im Betrieb gebraucht, also ca. 80%. So kann eine Umstellung auf energieeffiziente Anlagen die Gesamtkosten und vor allem die Betriebskosten enorm reduzieren. Also ganz gemäss dem Motto: Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben.

Was genau verlangt diese Zertifizierung?

Ivan Gattlen: Die Zertifizierung erfordert vor allem das Erfüllen dreier wesentlicher Punkte:

  1. Eine Umweltpolitik, die von der obersten Geschäftsleitung freigegeben ist und kommuniziert wird.
  2. Umweltrechtskonformität: Das klingt auf den ersten Blick zwar nach Standard, denn Gesetze gelten ja grundsätzlich für alle. In der Realität ist es aber oft so, dass eine Firma gar nicht weiss, welche Gesetze für sie relevant sind, im Sinne von „Wo kein Kläger, da kein Richter.“ Zum Beispiel, wenn in einem Keller ein Lösungsmittel herumsteht, das verboten ist; nur merkt es keiner, weil niemand etwas von diesem Verbot mitgekriegt hat. ISO 14001:2015 verlangt aber, dass wir genau wissen, welche umweltrelevanten Gesetze für uns gelten, für welchen Prozess sie bei uns relevant sind und dass wir Aktualisierungen aktiv mitverfolgen und uns natürlich daran halten. Wir stellen sicher, dass wir jährlich alle Informationen über neue Gesetze und Aktualisierungen erhalten, sodass wir nötige Anpassungen gleich im Klinikbetrieb integrieren können.
  3. Eine Umweltrelevanzanalyse, aus der schlussendlich die Massnahmen für einen bewussten und schonenden Umgang mit Ressourcen resultieren: Wir analysieren, in welchem Bereich welcher Prozess umweltrelevant ist, also zum Beispiel Abfall oder Abwasser entsteht, Energie verbraucht wird etc. Danach analysieren wir genau, wie gross diese Relevanz ist, so dass wir uns bei den Massnahmen auf die Bereiche konzentrieren können, wo es sich lohnt, Verbesserungen vorzunehmen. Diese müssen zudem ja auch bezahlbar sein und dürfen die Patientensicherheit nicht gefährden. Wir setzen also alles systematisch auf und setzen uns aufgrund dessen Ziele, führen ein regelmässiges Controlling durch und werden so immer besser.

Welchen Einfluss hat das nachhaltige Umweltmanagement auf die Auswahl von Lieferanten?

Ivan Gattlen: Der Einkauf legt vermehrt Wert auf nachhaltige Kriterien wie Produktionsweise, Herkunft und umweltgerechtes Recycling. Natürlich ist dies nicht das einzige Kriterium für die Vergabe, aber wir berücksichtigen Lieferanten, die nach den gleichen Prinzipien handeln wie wir. Wenn ein Lieferant auch schon nach ISO 14001:2015 zertifiziert ist, müssen wir diesen nicht noch genauer prüfen, wenn nicht, schauen wir ihn genauer an.

Uwe Meier: Frischprodukte bestellt die Klinik zum Beispiel grösstenteils bei lokalen Lieferanten. Ein Grossteil der Lebensmittel ist mit Labels wie IP, MSC, FairTrade und weiteren zertifiziert. Als erste Hirslanden-Klinik bezieht die Klinik Belair ausschliesslich Ökostrom, dies aus „naturemade star“-zertifizierten Anlagen, das heisst ca. 97 % Wasserkraft aus dem Rhein, den Rest aus anderen erneuerbaren Quellen.

Bei Produkten evaluieren wir neben den Kriterien Kosten und Nutzen auch die Nachhaltigkeit. Das heisst konkret zum Beispiel, ob Reinigungsmittel biologisch abbaubar sind oder ob Gerätschaften über technische Funktionalitäten verfügen, die nachweislich den Energiebedarf oder Wasserverbrauch reduzieren oder Energierückführsysteme enthalten.

Nenn mir doch bitte ein paar konkrete Beispiele, wie in der Klinik Belair durch Investitionen Ressourcen gespart werden.

Uwe Meier: Alleine die flächendeckende Umstellung auf LED-Technik spart in der Klinik Belair im Bereich der Beleuchtung bis 90 % Strom ein. Weiter tragen Investitionen in der Küche, wie die Umstellung auf Induktionswärme und eine Geschirrwaschmaschine der neusten Generation, zu deutlich weniger Stromverbrauch bei.

Wir investieren aber auch in das Bewusstsein und Know-how unserer Mitarbeitenden: Mit verschiedenen Informationen und Aktionen will die Klinik fortlaufend das Umweltbewusstsein jedes einzelnen Mitarbeitenden fördern. Dies wiederum trägt jeder Mitarbeitende auch in sein privates Umfeld und profitiert damit direkt von Erkenntnissen und Empfehlungen.

Was tut die Klinik Belair konkret, um ihren CO2-Ausstoss zu reduzieren?

Uwe Meier: Dazu sind verschiedenen Massnahmen am laufen und es werden fortlaufend neue evaluiert. Die umfangsreichste ist derzeit die Ablösung der bestehenden Ölheizung durch eine kondensierende Gasheizung mit Biogasanteilen. Dadurch wird eine Reduktion des CO2-Ausstosses um ca. 25 % erwartet. Die Bauarbeiten dazu sind in vollem Gange. In einigen Wochen fliesst dann, ganz unsichtbar, Gas durch den Belair-Garten, Gas, um die Klinik zu heizen.

Gebt uns bitte einen Blick in die Zukunft, welche weiteren Pläne betreffend Nachhaltigkeit anstehen.

Uwe Meier: Die Klinik Belair möchte sich auf dem erreichten Zertifikat nicht ausruhen, sondern evaluiert stetig weitere Verbesserungsmöglichkeiten für ein nachhaltiges Umweltmanagement. So prüft sie zum Beispiel derzeit den Einsatz einer Erdsonden-Wärmepumpe für die Produktion von Wärme und Kälte.

Und wie sieht es in der Hirslanden-Gruppe aus?

Ivan Gattlen: Die Klinik Belair ist innerhalb der Privatklinikgruppe Hirslanden die Pilotklinik für ein zertifiziertes Umweltmanagement. Sie kann den folgenden Kliniken nun wertvolle Erfahrungen weitergeben, um ebenso einen nachweislichen Beitrag für unsere Umwelt zu leisten. Die ganzen Instrumente und der Prozess, die im Zuge der Zertifizierung die für die Klinik Belair geschaffen worden sind, werden wir für weitere Kliniken nutzen.

Was bedeutet für euch persönlich die erreichte Zertifizierung?

Uwe Meier: Ich bin stolz auf das ganze Belair-Team. Denn eine solche Zertifizierung wird nur erreicht, wenn alle mit Überzeugung mitmachen. Der nachhaltige Umgang mit Ressourcen und der Umwelt ist eine Verantwortung gegenüber nachkommenden Generationen, welche wir sowohl als Privatperson wie auch als Unternehmung wahrnehmen müssen.

Ivan Gattlen: Und für mich zeigt es zusätzlich den Wandel der Zeit, der in den Köpfen immer mehr ankommt; und hier meine ich nicht nur Hirslanden: Früher war eher die Meinung verbreitet, ein Spital müsse keine Energie sparen, sondern einfach gut funktionieren. Auch wenn heute in Spitälern Sicherheit und Effizienz immer noch an erster Stelle stehen, hat man begriffen, dass auch ein Spital seinen Beitrag zur Nachhaltigkeit beisteuern und sich stetig verbessern kann und so schlussendlich auch gewinnt.

Immer mehr sind überzeugt, dass ökologisches Handeln eben nicht „altbacken“ oder arbeitshindernd ist, sondern modern und allen etwas bringt. Dass man eben mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben kann.

Herzlichen Dank für das spannende Interview und viel Erfolg für die weiteren Projekte!

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