Dr. med. Georges Wohlgensinger nahm an einem Einsatz in einem Medical Camp im Westen Nepals teil. Der Orthopäde operierte dort unter schwierigsten Bedingungen und berichtet uns von seinen Erfahrungen.

Mitte März 2015– kurz vor dem grossen Erdbeben – war ich in einem Medical Camp im Westen Nepals. Die medizinische Versorgung in diesem Gebiet ist unzureichend. Ein Allgemeinpraktiker führt das einzige örtliche «Spital» mit 20 Betten in Chainpur und betreut die rund 170‘000 Einwohner des ärmsten und rück-ständigsten Distrikts Nepals. Hauptsächlich führt er Kaiserschnitte durch, wobei er die Anästhesie selber vornimmt. Traumatologische und orthopädische Fälle werden kaum behandelt, weil der Spezialarzt fehlt.

Während sechs Tagen verstärkte ein auswärtiges Operationsteam, inklusive mitgeführtem, mobilem Ope-rationssaal, dieses kleine Spital. Das Nepal Orthopedic Hospital in Kathmandu organisiert diese Camps, finanziert wurde die Aktion im März 2015 durch Spendengelder der „Gemeinnützigen Stiftung für medizini-sche Hilfe“ in Heiden. Dr. med. Katrin Hagen (Präsidentin der «med solutions foundation», welche schon mehrere Camps in Nepal ermöglicht hatte) und ich nahmen an diesem Camp als ausländische Fachärzte für Handchirurgie zusammen mit drei Orthopäden, einem Anästhesisten und Pflegefachpersonen aus Nepal teil.

Stirnlampen anstelle von OP-Leuchten

Bereits am ersten Tag war der Andrang riesig. Gegen 1000 Patienten warteten während Stunden auf ihre Registrierung und hofften auf eine Behandlung. Viele Familien nahmen mehrtägige Fussmärsche auf sich, um ihre Kinder behandeln zu lassen. Nicht nur die Anzahl der Patienten war eine Herausforderung für uns, auch die veraltete Technik und fehlende Infrastruktur waren ungewohnt. Eine einzige OP-Leuchte funktio-nierte, dazu kamen Stromausfälle von bis zu 7 Stunden. Gezwungenermassen operierten wir mit Stirn- und Taschenlampen. Es stand kein medizintechnischer Bohrer zur Verfügung. Wir benutzen eine Bohrmaschine wie sie bei uns in jeder Hobbywerkstatt zu finden ist, lediglich mit einem sterilen Tuch umwickelt. Die Operationssäle waren nicht geschlossen, wir beschränkten uns darauf, die Fliegen so gut wie möglich von den Operationswunden fernzuhalten.

Es waren sehr strenge, arbeitsintensive und lange Tage, welche uns psychisch und physisch belasteten. Wir behandelten 1‘200 Patienten und führten 78 teils sehr komplexe Operationen durch. Für mich hat sich dieser Einsatz aber mehr als gelohnt. Die vielen dankbaren Gesichter, das Lächeln der Patienten, das Inte-resse des medizinischen Personals an unserer Technik und unserer Erfahrung sind Eindrücke, welche mir in sehr guter Erinnerung bleiben werden.

Weitere Informationen über die Projekte der med solutions foundation finden Sie auf «www.med-solutions.ch»