Seit Januar 2016 ist Peter Werder Direktor der Hirslanden Klinik Belair. Zuvor war er vier Jahre lang Leiter Unternehmenskommunikation der Hirslanden-Gruppe. Wie es zu diesem Wechsel kam und wie es ihm in seinem neuen Job ergeht, berichtet er uns im Interview.

Deine bisherige Berufserfahrung liegt hauptsächlich in den Bereichen Medien und Kommunikation. Nun bist du Klinikdirektor. Warum dieser Richtungswechsel in deiner Laufbahn?

Peter Werder: Ich betrachte dies weniger als einen Richtungswechsel, sondern als eine Weiterentwicklung aufgrund der Erfahrungen, die ich in der Kommunikation gemacht habe. Vieles ist ähnlich, denn auch in der Kommunikation ist während der letzten Jahre einiges komplexer geworden, sie ist nahe an der Unternehmensstrategie angesiedelt und hat Schnittstellen zu allen Bereichen des Unternehmens. Während ich als Kommunikationsleiter vielleicht eher der Tontechniker eines Orchesters war, bin ich heute der Dirigent, der die Solisten in einem Orchester zu gutem Zusammenspiel anleitet.

Dazu kam natürlich auch meine persönliche Situation: Nach Abschluss des MBA in General Management wollte ich mich auch praktisch noch mehr in diesen Bereich vertiefen.

Und wie kam es konkret zu diesem internen Wechsel bei Hirslanden?

Peter Werder: Ich denke, es ist wichtig, dass man ein vorhandenes Interesse an Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen offen signalisiert und zum Beispiel in Mitarbeitergesprächen auslotet. Dies habe auch ich getan.

Und als dann die konkrete Situation mit der offenen Direktorstelle in der Gruppe kam, habe ich mich beworben, ganz „normal“ und den kompletten Bewerbungsprozess durchlaufen. Ich finde das auch wichtig. Es darf nicht zu einer Bevorzugung kommen, so dass das Gefühl aufkommt, dass ein solcher Job unter der Hand intern vergeben wird. Das wäre weder gut für das Unternehmen noch für den, der den Job erhält.

War der Bewerbungsprozess anstrengend?

Peter Werder: Klar, es gab Gespräche, Assessments etc. So wie es eben üblich ist.

Beschreibe uns bitte deine neue Funktion respektive dein Aufgabengebiet in maximal drei Sätzen.

Peter Werder: Zum einen muss der Klinikdirektor die Klinik im Rahmen der Vorgaben strategisch weiterentwickeln. Zum anderen muss er aus allem das Beste herausholen, aus Mitarbeitern, Belegärzten, Partnern etc., so dass er eben der Dirigent der Solisten ist, diese ihr Bestes leisten und dabei alle zufrieden sind.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?

Peter Werder: Im Moment gibt es diesen noch nicht, da ich noch mitten in der Einstiegsphase bin: Ich führe Einzelgespräche mit allen Mitarbeitern, treffe mich mit Belegärzten und Partnern, bin oft unterwegs in Schaffhausen.

Was sind die grössten Herausforderungen, wenn man als neuer Direktor in einer Klinik startet?

Peter Werder: Alle diese Menschen kennenzulernen. Das finde ich sehr wichtig und es ist eine Herausforderung, weil es sehr zeitaufwendig und intensiv ist. Neben den Menschen muss ich auch die Prozesse kennenlernen und verstehen. Als Kommunikationsleiter der Gruppe habe ich vieles schon gelernt, weiss bereits vieles, vieles aber auch noch nicht.

Siehst du viele Unterschiede vom Klinikalltag zum Corporate Office?

Peter Werder: Ich glaube, in jedem Unternehmen mit einer Zentrale und eigenständigen Satelliten werden solche Unterschiede gerne etwas zelebriert im Sinne von „Wir und die anderen“. Ich rate davon ab. Es sind einfach unterschiedliche Standorte mit unterschiedlichen Aufgaben. Und jeder macht das Beste und muss auch davon ausgehen, dass der andere das Beste will. Richtig gut wird man nur, wenn man über die BUIAA-Denkweise („Bei uns ist alles anders.“) hinauswächst.

Was macht dir derzeit am meisten Spass?

Peter Werder: Die Menschen und Prozesse kennenzulernen. Ich finde das extrem spannend und ich mag es einfach, wenn viel läuft.

Und was sind die Schattenseiten?

Peter Werder: Momentan habe ich noch keine Schattenseiten entdeckt. Das Kennenlernen der Menschen und Prozesse ist einfach intensiv und das macht es natürlich auch anstrengend. Vor allem, wenn man einfach alles wissen und kennenlernen will. Man kann ja auch mit mehr oder weniger Energie und Wille oder Distanz in so etwas reingehen. Ich stürze mich da ziemlich rein.

Als Kommunikationsleiter hattest du vor allem mit Journalisten zu tun. Heute kommunizierst du mit verschiedensten Zielgruppen, unter anderem mit Ärzten. Gibt es da Parallelen?

Peter Werder: Journalisten sind in der Kommunikation nicht per se die einzigen Kommunikationspartner, sondern sie sind Vertreter ihrer Leser und diese müssen verstehen, was das Unternehmen will. Und das ist genau das Gleiche als Direktor. Anspruchsvolle, unkomplizierte oder auch eher oberflächliche Leute gibt es überall, egal ob Journalist, Arzt oder aus einer anderen Zielgruppe. Man muss einfach verständlich sein.

Was schätzt du besonders an Hirslanden als Arbeitgeber?

Peter Werder: Ein riesiger Vorteil ist, dass man gruppenintern vieles nachfragen kann. Vieles wurde schon einmal irgendwo gemacht und muss nicht jedes Mal neu erfunden werden. Das müssen wir noch viel mehr nutzen. Ich habe in diesen zwei Monaten vom Corporate Office und von anderen Kliniken schon sehr viel Unterstützung erhalten.

Zudem finde ich es spannend, in einem internationalen Konzern und gleichzeitig so lokal verankert tätig zu sein. Ohne die lokale Verankerung geht gar nichts und die internationale Eingebundenheit bringt sehr viel.

Und schlussendlich macht es auch einfach Spass, in einem so gut organisierten und professionellen Umfeld zu arbeiten.

Neben Publizistik hast du auch Philosophie und Musik studiert. Könntest bzw. möchtest du auch einmal in diesen Branchen dein Geld verdienen?

Peter Werder: Was die Philosophie angeht schreibe ich so alle zwei, drei Jahre einen Artikel für Textsammlungen. Einfach, weil ich dies gern tue – reich wird man damit allerdings sowieso kaum.

Die Musik würde für mich sicher als „Notnagel“ funktionieren, sodass ich als Klavierlehrer oder Barpianist arbeiten könnte, was ich auch schon getan habe. Davon leben könnte ich also sicher, möchte es aber nicht. Die Musik ist mein Hobby und ich widme mich ihr, weil ich dies gerne tue, und nicht, weil ich mein Geld damit verdienen muss. Das ist ein Luxus, den ich sehr schätze.

Besten Dank für das spannende Interview und weiterhin viel Freude und Erfolg als Klinikdirektor.

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